Donnerstag, 26. Januar 2012

Zur Nage der Lation


ÖSTERREICH EINS, TEIL 2

Präsident der USA (spricht ein seltsames Deutsch, hält eine Salatgurke in der Hand)
König von Österreich (trägt eine McDonaldskrone mit der Zusatzaufschrift „KvÖ“, spricht gar kein Deutsch, tut aber so)
Weiter Personen sind unwichtig, oder kommen gar nicht vor, wie zum Beispiel die Tante des Königs sowie deren Halbschwester Ute Fischhaut.

P: überreicht K die Salatgurke und deutet hinter sich auf ein rosa Flugzeug
„Das ist meine Luftkraft Eins“
K: staunt „Eafoas Uon“
P: „und das ist mein Frau Eins, meine Beiden Kinder beide Eins, die sind nämlich gleichzeitig …denkt nach …auch wurscht, und das ist meine rechte Hand auch Eins“
Frau und Kinder grinsen, und sprechen Amerikanisches und Unverständliches über Österreich. P und K schütteln sich die Hände. Einige Fotografen fotografieren. Ein Kameramann filmt den Flughafentower, auf dem „heute im Angebot“ steht.
K: schwingt die Gurke durch die Luft und singt „Willkommen in unserem Land, Österreich Eins!“
P: „Geh bitte“
K: „So steht es im Text“
P: „Zeig her!“
K: „Der Doktor Magister Oberrat Peter Weibel hat gesagt, dass wir alle Trotteln sind, und im speziellen überhaupt alle“
P: „Steht das auch drin?“
K: „Nein, das ist mir so raus gerutscht“
P: „Blöd, aber mir rutscht auch immer was raus, manchmal, selten…“
K: „Du kannst nicht lesen, oder?“
P: „Sag ich nicht“
K: „Na gut, was steht auf meiner Krone?“
P: „Gar nichts“
K: „schön wär´s“
P: „ahm…“ überlegt
K: „Also das Programm ist folgendes…“
P: „…ist folgendes“
K: „Also, zuerst gehen wir zum Plachutta fressen, da gibt’s so gute Anzüge zum Anschauen, dann mach ma Pause im Schtarbacks, trink ma einen Coffee To Go mit Vanille- oder Karamelsouce, is mir eh wurscht, alles grauslich und dann wixen ma auf den Kanzlerschreibtisch vom Faymann. Gut?“
P: „Was is mim Urbanek?“
K: „Den ham wir wegegsprengt“
P: „Why so?“
K: „Why not!“
P: „Gut so!“
K: „Gut not!“
P: „Ich wix aber ungern in der Öffentlichkeit“
Weitere Personenen (WP) treten weinend (tw) ab.
K: „Ich wix nur in der Öffentlichkeit“
P ist beeindruckt: „zeig her!“
Ein Gruppe Zeugen Jehowas macht sich breit, der König von Österreich raucht einen Joint und erschießt alle.
P: „Good Job!“

FORTSETZUNG ÜBERMORGEN

Der Strudelhof

Die folgende Geschichte spielt in Zeiten der Stromabwärtsdichter, zwischen lauwarmer Vorspeise und Kleinkaliberhauptgang, in Zeiten der Heizpilzbräune und des Stehgreifmassenmords.
Die folgende Geschichte wurde mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet.
Na gut:
Aus Sicherheitsgründen und unter höchsten Geheimhaltungsmaßnahmen hatte man vor Jahren den Küniglberg ZWEI in die Speiskammer des berühmten Spaßmachers Alfred von Dorferer errichtet, doch im Zuge des Einbaus und wegen einiger lang geplanter Schlampereien wurde Hugo von Portischer, der zwecks Schuldzuweisungen die Bauaufsicht übernommen hatte, zwischen Wetter- und Sportstudio mit eingemauert und blieb von da an der ewige Anwärter auf den Winston-Churchill-Trostpreis.
„Ja, wo ist der Hugo denn?“ ist das Einzige, was der Architekt seit damals sagt.
„Was der Markus von Roganer in der Werbung ist, ist der Alfred von Dorferer im Rundfunk“, sagt dessen Frau, und streicht dem Architekten über die Wange.
„In Wahrheit ist er Rückenschwimmer und überhaupt….“, sagt sie weiter und verlässt das Haus im Vorwärtsgang.
Ich trage einen Bombengurt.
Abgesehen der Stadt-Land-Fluss-Damen-Unter21-Weltmeisterschaft und der Jubiläums-Zib24, die jedoch niemals on die so genannte Air ging, findet am Küniglberg ZWEI heute und unter der Moderation Peter von Rapperers die diesjährige und erste Wir-Sind-Alle-Eigentlich-Ganz-Gut-Gala statt. 2000 Orden werden verliehen, darunter ein gebrauchter Nasenspray aus der Sammlung Leopold, der in der Disziplin besonderer Verdienste um Neuschnee und andere Pulver mit höchster Wahrscheinlichkeit an H. C. von Stracherer geht, ursprünglich aber den Vorzugsgänsen Konrad Lorenz´ unter Liebesentzugsandrohung verabreicht wurde. Stracherers Augen glühen vor Gier und Atemnot. Weiters gibt es einen Lichtdimmer der Firma Obergescheit, einen Allradvogelkäfig mit Schleudersitz, drei Tischbeine, das Originalmanuskript des ersten Witzes aus der Feder des Spaßmachers (leider politisch, dafür Gott sei Dank lang), eine Zigarette samt Helmut Schmidt zum Eigengebrauch, einen Brennmaterialjahresvorrat des Profil-Konzerns und tausendneunhunderteins Weihrauchsets samt Selbstfindungsdetektor.
Der Moderator sitzt im Festsaal, zählt seine Zeigefinger und betrachtet dabei seine stumpfe Nase.
„Näschen“, sagte er und macht sich spontan und indem er in Höchstgeschwindigkeit die Plätze tauscht selbst einen Heiratsantrag.
„Willst du?“ sagt er und antwortet: „Ja ich will!“.
Über mehrere versteckte Big-Red-Kameras, von denen allein der Schriftsteller Simmel und der Bürgermeister von Eisenstadt gewusst haben, wird der Heiratsantrag des Moderators direkt in alle chinesischen Haushalte von Zimbabwe und Haiti übertragen und löst eine Welle der Tortenschlachten oder Kniebeugen aus. Kommt darauf an wo man gerade Urlaub macht und ob man in Futures oder Knäckebrot investiert hat. Die meisten machen Kniebeugen. Der Rest hat Kopfweh oder übt sich im Grubenverunglücken.
Bis jetzt sind alle glücklich.
Das Unwetter ist herrlich, die Gäste sind da, doch durch einen von Geheimstrat Wilhelm von Moltererer präzise errechneten Zufall treffen alle gleichzeitig ein, hohe Frisuren und Nasen geraten aneinander und vor der Tür zur Speisekammer kommt es zum totalen Stillstand. Es staut sich bis in die Gemächer, und nur ein Glas Salzgurken, das der Spaßmacher vor Wochen von der Insel Krk oder Rkr oder Rrr oder wie auch immer mitgenommen und zu seiner singhalesischen Spagettisammlung gestellt hatte, kommt zu Bruch.
„Supa! Guake!“ sagt Christine von Lugnerer.
„Super! Salz!“ sagt Dominik von Heinzeler.
„Super! Scherben!“ sagt ein Unbekannter.
„Ja wo ist der Hugo denn?“ sagt der Architekt.
Ich dränge mich durch die Menge. Eine Delegation der Assassinen macht sich breit, dahinter Schwarzbrenner und Klinikclowns.
Der Abend wird zur Nacht. Gewittervögel fliegen auf. Die Auslöschung naht.
Mitgedachterweise verlegt der frisch vermählte Moderator die Gala in die Speisekammer, vergisst jedoch das Licht anzuschalten und erfindet somit und ganz nebenbei etwas, das man irgendwann später „Blitz ins Dunkel“ beziehungsweise „Licht ins Dunkel“ nennen und das als Hochamt des Blöd-Grinsens und Fackelzug der Letzen Menschen in das zwangsentleerte Kulturleben der von Rheuma und Schweißfüßen gequälten Bevölkerung sickern wird. Die Stimmung im Land ist bedenklich, das Leben endet im einsamen Händereiben und kränklichen Erlöserfantasien.
Die Nacht wird zum Abgrund. „The Author is a bitch“, singt David Bowie, grinst und niemand fühlt sich angesprochen.
„Und überhaupt ist der Hugo im Nebenzimmer“, sagt die Frau des Architekten.
Der Bombengurt drückt mir gegen die Nieren. Ich stehe mitten in der Menge. Mein Nachbar trägt eine violette Strumpfmaske, gibt sich ohne Unterbrechung selbst Autogramme und sagt dabei: „Und das, mein Guter, ist für mich“.
Ein Klinikclown beginnt zu weinen und schreit: „Akademische Viertelstunde!“
Ich warte auf ein Zeichen zur Auslöschung, während das dumpfe Gebrumm von Rotorenblättern die Landung von Jannine Schiller und ihrer Frisur persönlich ankündigt. Eine Sensation, denn normalerweise reist man getrennt. Die Köpfe der Gäste heben sich, doch über ihnen baumeln nur ungarische Salamis und ein geknebelter singhalesischer Spagettihändler.
Pause. Der Vorhang fällt.
Abonnenten diskutieren über die biologische Nachhaltigkeit des Stücks und der Buffetware.
„Wer sich gesund ernährt, braucht sich den Arsch nicht zu wischen“, sagt ein Abonnent.
„Und man spart Geld“, sagt ein anderer.
„Und erst die Umwelt“, sagt der erste.
„Und erst mein Arsch“, sagt ein dritter.
Handys vibrieren, Babysitter hinterlassen Schreckensnachrichten, ein Abonnent bricht wortlos auf, das Programmheft unter dem Arm.
Der Pausensaal ist hell erleuchtet, Quecksilber tropft von der Decke, Speichel rinnt aus den Mündern, Hauptdarsteller Alfred von Dorferer flüchtet samt Kofferradio über die Dächer.
„Meine lieben Freunde“, beginnt der Moderator. In diesem Moment bekomme ich das Zeichen.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Fettabsaugungen

Ich bewundere die Speisekartendiktion zur urbanen Küche, wie hier zum Beispiel:
„Wienerschnitzel in Koalition mit Erdäpfel- Vogerlsalat.      13,90,-“
„Berner Würstel in Diskussion mit Ketchup und Senf.              7,50,-“
Aber das ist alles schon wieder am Abklingen. Man besinnt sich ja wieder auf das Einfache, sowohl im Essen, in dessen Auslegung und Zubereitung als auch in der Sprache an sich.
Fettabsaugung nenn ich das und was ich mir selbst absauge landet hier. Der Rest erscheint im November.
Ich seh sie vor mir, die enttäsuchten Gesichter, wenn da nur steht: „Tagesteller mit Pommes“. Die Lebensgefährtin schwer enttäuscht, der Mann entrüstet, der Kredit gekündigt und am Nebentisch ein erbleichter Roman Raffreider, der im Griesbrei stochert.
Ich finde ja, dass sich alles auf der Welt reimen sollte, und wenn schon nicht reimen dann wenigstens ausgehen oder reichen oder, wie man in Berlin sagt: „langen“.
„Achso, das langt nicht!“, verstand der Kellner dann endlich, als ich ihm das Kleingeld mit dem Worten „ich glaub das geht sich nicht aus“ überreichte.
Es war eines dieser Lokale, in denen Menschen bis in die Nacht hinein blöd vor sich hin frühstückten, dieses hier hieß „Die Mutter aller Schlachte“, oder nur die „Mutter“, ich kann mich nicht mehr erinnern, und geht der Lachs aus, gibt es halt nur noch Sekt oder Prosecco oder Orangensaft für die Untersäuerten. Ich glaub Jürgen Vogel war auch dort und der Kellner ließ mich laufen.
In Wien gibt es den Breakfast Club. Den halt ich auch nicht aus.
Auf jeden Fall wird alles wieder einfacher, das Essen, die Sprache, das Klopapier, früher Toilettenhygientuch, Beziehungen, früher Teams oder Interessenspartnerschaften, und natürlich vereinfacht sich auch das Leben, früher das ins Sein geworfen oder der längste Witz, den es gibt, kommt drauf an ob man Heidegger oder meinem alten Schulfreund Christoph Irrgeher glauben soll.
Für noch schlimmer als die nicht mehr ganz moderne Speisekarte jedoch halte ich Reanimationen.
„Der Tod in Opposition mit Wiederbelebung               2.538.199,-“
Und das ist abgesehen vom Preis wahscheinlich die Einfachheit und Fettabsaugung schlecht hin.
Übrig bleibt nur der Rest und der erscheint im November.
MITTEN IN KIEW!


Ende Jänner kommt der Winter.
Sag mal ehrlich: Bitte spinnt der?

Sollen wirs staplen oder legen?
Friedens- oder Ostersegen?

Leichen- oder Totenschmaus?
Mir reicht es jetzt, ich will hier raus!
.







Montag, 23. Januar 2012

Familie Durchhalter

Meine Mutter ist besonders groß
Das ist ihr Schicksal und ihr Los
Ihr Kopf steckt hoch im Ofenschacht
Ich hör sie kaum, wenn sie mal lacht.

Mein Vater ist besonders klein
Das mag er nicht, doch muss es sein
Oft streckt er sich und schreit:
Mein Sakko ist mir viel zu breit.

Meine Schwester ist besonders dumm
Und ihre Nase ist besonders krumm
Sie will einmal ein Filmstar sein
Doch dafür ist ihr Paps zu klein.

Meine Tante ist besonders dick
Und hing sich an den Seemannsstrick
Doch statt dem wohlverdienten Tod
Wurd ihr Gesicht ganz purpurrot.

Mein Opa ist besonders alt
Das lässt ihn meistens eher kalt
Nur wenn er in die Hose macht
Ihn die Großmutter verlacht.

Meine Oma ist besonders schmal
Ihr Kopf ist auch besonders kahl
Zwar machte sie dem Krebse halt
Doch sterben wird sie dennoch bald.

Ich hingegen bin besonders gut
Darum spüre ich der Welten Wut
Ich leb in einer Flut von Licht
Schade nur: es gibt mich nicht.

die Hölle schweigt

Heute in der Früh aufgewacht, vom Wochenende schwer enttäuscht: Abfahrt verkürzt, Urlaub verlängert, Wasser verschwendet. Wenn ich zurückblicke auf die letzten Monate meines Lebens, stellt sich heraus, dass der Müll noch immer vor der Tür steht, die Tür direkt in die Hölle führt und dass die Hölle von Innen versperrt ist. Keine Chance.
Manchmal höre ich das Kratzen von Fingern an den Wänden der Nachberwohnung, doch wahrscheinlich ist es nur Großmutter bei einem ihrer wöchentlichen Einbruchsversuchen. Manchmal ist mein Leben die flasche Antwort auf gar keine Frage, ein ständiges und hechelndes Aufzeigen, um dann eh nur aufs Klo zu müssen, manchmal ist es mit Sorgen gepolstert, manchmal ist mir der 3. Stock doch zu hoch, manchmal folge ich mir auf Schritt und Tritt und dreh ich mich schnell genug um, dann seh ich mich mit einem Partyhut hinter einer Ecke stehen und blöd grinsen. Meine Zähne sind dermaßen groß, dass ich mit ihnen mein Bad verkacheln könnte, und wohl gemerkt: mein Bad ist eine Dusche und Zähneputzen tu ich mir mit dem Staubsauger!
Aber ich bin nicht nur vom Wochenende schwer enttäuscht, mittlerweile und da mich Standard & Poor´s auf ZZZ- herabgestuft hat, zahl ich pro Wurstemmel zwei Gurkerl Zinsen. Tiefer geht’s echt nicht mehr meine Herrschaften!
An der Spar Gourmet Feinkosttheke bin ich eine persona non grata und ich verstecke mich stundenlang zwischen den Salaten, eine Geschichte, die ich unbedingt Roman Polanski oder Abramowitsch, oder wie man den schreibt, erzählen sollte.
„Lasst ihn pleite gehen!“, schallt es durch die Blätter.
Ich presse mein Ohr gegen die Tür, die Hölle schweigt.