Montag, 26. September 2011

Das Schließen der Kreise

Meiner Meinung nach sollte es von jedem Produkt eine Antiaging-Variante geben. Vom Antiaging-Obstler über Antiaging-Klopapier bis zur Antiaging-Extrawurstsemmel mit Antiaging-Gurkerl. Was sagen Sie?
Eh nix!
Als die Fastfoodwelle, Ende der 90er Jahre, nachdem man sogar in Nordkorea den Trend erkannt hatte, schlussendlich Italien erreichte, eröffnete ein mutiger Fiorentiner auf der Piazza della Signoria ein Lokal mit dem griffigen Namen: „Eat and Go“, zu österreichisch: „Friss und schleich dich“.
Italiener haben ja überhaupt ein eher rudimentäres Verhältnis zu Fremdsprachen, so las ich auf einer deutsch italienischen Speiskarte unter den Worten „il patron consiglia“ die Übersetzung „Nudelröhre des Chefs“.
Sonst ist dieses Land durchaus ernst zu nehmen, in den neapolitanischen Wohnungen müssen seit einigen Monaten über den drei straßenseitigen Fenstern immer die Wörter: „Papier“, „Glas“ und „Restmüll“ stehen, per Gesetz, und während den Schweden die Butter fürs Knäckebrot ausgeht und der Transmillenio durch Bogota brettert, ist und bleibt der Höhepunkt einer italienischen Vita Spaghetti aus der Thermoskanne am Strand von Ostia.
Aber auch bei uns hängt der Haussegen schief.
Gestern rief ich Alfons Mensdorff-Pouilly an, weil ich mich an der Hoferkassa ganz hinten anstellen musste und mich dementsprechend benachteiligt fühlte. Das Honorar betrug pro einmal Vordrängen 2 Tiefkühlsteaks und 3 Packungen Hackle Feucht.
Wie von unsichtbarer Hand teilte sich die Hoferkassenmenge, ich schritt hindurch, gab ein Profil Interview und werde von Google Earth angeblich dauerüberwacht. Seit heute Morgen kreist ein Satellit durch meine Wohnung, und wie ihr ja alle wisst, war ich früher Satellitenforscher und Stehgreifhändeschüttler. Mir kann man also nichts bis wenig vormachen.
Zum Beispiel diese ganzen Nichtalterungsprodukte in Parfumerien, Apotheken und Supermärkten, die Gillette Mach 1001 Nacht Klinge für ein längeres Rasiervergnügen, der neue Plattfuss GTI 16V von Eskimo oder der zuerst trocken und dann schön feucht Weinbrand aus neapolitanischer Demeterproduktion! Sehen Sie, wie sich die Kreise schließen?
In nur wenigen Zeilen gehen die Dinge um die Welt und kommen bedeutungsüberladen wieder zurück. Über nur fünf Sationen bin ich mit Kim Jong-Il bestens bekannt und mein einziger Einrichtungsgegenstand ist ein leuchtender Globus, der bei Neumond mit mir spricht.

Freitag, 27. Mai 2011

just.dont.it: Unternehmen S

just.dont.it: Unternehmen S: "Zwischen mir und meiner Freundin (erfunden!) gibt es mehrere Verhältnisse, darunter fällt zwecks Springens durch den brennenden Ehering das ..."

Unternehmen S

Zwischen mir und meiner Freundin (erfunden!) gibt es mehrere Verhältnisse, darunter fällt zwecks Springens durch den brennenden Ehering das pneumatische Rufen der Seelöwen, die sie (erfunden!) in unser Zusammensein mitgebracht hat. Normal ist, denke ich, wenn ich blöd den Namen der Tiere vor mich hin quietsche, dass Menschen (erfunden!) Kinder, Giacometti Skulpturen oder wenigstens Faschingskrapfen in eine Beziehung mitbringen, aber nicht so hier: Sie (erfunden!) Seelöwen, ich heiße Luft, wobei heiße Luft billiger zu ernähren ist und nicht Gassi gehen muss. Aber nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Diese Freundin (erfunden!) ist wunderbar (stimmt!)!
Wir stehen pünktlich um 3 nach 5 Uhr früh auf, es gibt Frühstück:
192 Nespressokapseln, Kostenpunkt Euro 4638,- weniger Steuern und Umweltministerium, denn wir sind ein Unternehmen.
Die Seelöwen heißen Dings und Bums, Dings ist fünf und Bums ist keine Ahnung.
Danach gibt es ein Obstbuffet aus Übriggebliebenem und Futter im Allgemeinen, wobei niemand genau weiß, aus welchem Napf jetzt hier gegessen wird. Es wird gestritten und gegrunzt, denn in einem ist das Valium versteckt, trotzdem weiß ich, dass wir uns lieben, und der Gewinner sitzt den halben Tag in der Ecke und grinst (stimmt!).
Der Name unseres Unternehmens beginnt mit dem Buchstaben S, der Name eines afrikanischen Landes auch, und vor kurzem las ich auf einer Hausmauer die Worte: „Freiheit für S.!“. Mehr verrate ich nicht.
Was ich allerdings schon verraten will, ist, dass ich als fünfjähriges Kind die Wellensittiche meiner Schwester durch die Knoblauchpresse gequetscht habe. Die Schwester rächte sich und verspeiste jeden Tag heimlich ein Stück meiner Vollkornmatratze, bis ich dann bis zum Ende meiner Schulzeit auf dem Lattenrost schlafen musste. Dennoch hat sich alles ausgezahlt, heute arbeite ich mit 7 anderen Gebrüdern als lebende Sensation in Agra.
Nach dem Frühstück spielen wir Gackhüpfen mit Brei, das hebt die Stimmung und fördert das Gemeinschaftsbewusstsein. Der Verlierer wird vier Stunden in ein Baustellenmobilklo gesperrt und übt Seifenblasenblasen für die kommende Viererseifenblasenblaseneuropameisterschaft. An diesem Punkt angelangt, sind wird nur noch 2.
Es ist früher Mittag, und sitze ich weder grinsend in der Ecke noch in einem Mobilklo, gehe ich mit meiner Freundin (erfunden!) oder einem der beiden Seelöwen ins Kunsthistorische Museum, wo gerade die Jan Fabre Ausstellung läuft.
Apropos Ausstellung:
Gestern war ich wieder einmal in der Peepshow. Da wirft man Euromünzen ein, damit das Fenster offen bleibt.

Freitag, 20. Mai 2011

Haifisch und Mohammed Atta

Manchmal kommt es vor, dass mir in der Karlsplatzpassage, zwischen Blumengeschäft und Trafik, zuerst ein Drogendealer sogenanntes „Langsames“ anbietet, und ich dann von zwei Japanern nach dem Weg zur Sezession angesprochen werde. Da frag ich mich natürlich schon, wie ich so ausschaue, denn offensichtlich erwecke ich bei beiden Interessensgruppen einen vertrauenswürdigen Eindruck. Einander mal ist es mir passiert, dass ich mit der U-Bahn von einem Rendezvous nach Hause fuhr und dann beim Würstelstand von zwei Jugendlichen zuerst verprügelt und in die Flucht geschlagen wurde. Da frag ich mich natürlich nicht, wie ich so ausschaue, als eher erstens, wie schnell ich eigentlich laufen kann (Stichwörter: Schwimmen und Haifischflosse) und zweitens, wie schön und widersprüchlich, grausam und unberechenbar die Welt ist (Stichwörter: schön und pünktlich Arbeiten Gehen und Mohammed Atta). Ein paar Monate später war Weihnachten, und das Wetter blieb wochenlang unbeständig.
Doch das war alles schon sehr lange her, und ich entschuldige mich im Vorhinein bei allen, die persönlich betroffen sind.
Heute hör ich die meiste Zeit Radio, das ist wetter- und weglaufunabhängig, außerdem höre ich spannende Beiträge über Menschen:
„Und wo wohnen Sie?“, fragte der Moderator.
„Gleich beim Stephansplatz, toll, von dort ist man in 20 Minuten überall“, antwortete der Mann brustüberzeugt.
Aha, dachte ich und versuchte es, doch kurz vor der Autobahnausfahrt Flughafen war Schluss. Zurück brauchte ich dann 2 Stunden, denn eine Schafherde blockierte alle 3 Spuren samt Pannenstreifen. Wenn ich nur wüsste, wie der Mann aus dem Radio heißt.
Sonst spielt es im Radio Musik, Werbung und Nachrichten, grob gesagt! Fein gesagt spielt es im Radio nur Scheiße.
Macht nichts.

Mittwoch, 18. Mai 2011

just.dont.it: HÜTTILIÖ

just.dont.it: HÜTTILIÖ: "Mittlerweile habe ich 8 regelmäßige, eingetragene Leser, darunter finden sich meine Schwester (danke), meine Freundin (danke auch), ich se..."

HÜTTILIÖ


Mittlerweile habe ich 8 regelmäßige, eingetragene Leser, darunter finden sich meine Schwester (danke), meine Freundin (danke auch), ich selbst (besonderen Dank), zwei Bekannte (vielen Dank) und drei Fremde (vielen, vielen Dank), wenn ich richtig gerechnet habe. Ich stehe unter Druck und muss etwas bieten, hier also:
Draußen ist die Welt, das ist mir bei einem kurzen Blick vorgestern aus dem Fenster schon aufgefallen. Es ist nämlich so, dass ich erst durchs Tun tue, ich denke durchs Denken und fühle durchs Fühlen, ich esse Maroni und gehe lachend in den Dachboden. Natürlich ist die Welt mitunter hier drinnen, nur gehen mir langsam die Getränke aus, der Blick nach draußen reicht wohl nicht, das dämmert mir, denn ich durste noch immer. Was nun?
Vor meiner Tür steht Herr K. und vor den drei bis fünf Notausgängen der Dämon der Grube! Ich habe auf einem Weinetikett den vielleicht beabsichtigten Schreibfehler „Dämonie Wachau“ gelesen, aber auch diese Flasche ist schon weg.
Also Zerberus!
Durch mein Fenster schaue ich direkt in eine gegenüberliegende Wohnungen, manchmal steht da ein südländischer Typ nackt in seiner Küche und kreist mit seinem Zeigefinger an seiner Schläfe herum. Eindeutig!
Das Einzige, was mir dazu einfällt, sind die Wörter: „Lachsbrot“ und „Ei“, obwohl ich nicht ganz sicher bin, was ich eher auf eine einsame Insel mitnehmen würde? Auf einsame Inseln nehmen Menschen gerne dicke und sehr gescheite Bücher mit, wie zum Beispiel die Betriebsanleitung einer Miele Waschmaschine oder eines Teilchenbeschleunigers der Marke Cern. (Seit Monaten keine Nachricht aus der Schweiz.)
Mittlerweile soll es schon Sekundärliteratur zu IKEA-Explosionsbildern geben (inseltauglich!). Außer einem Buch empfehlen die Befragten ein Taschenmesser, einen Lebensgefährten und einen Gartenschlauch mit Spritzdüse. Mir persönlich fällt dazu nichts Besonderes ein. Vielleicht billiges in Plastiknetzten verpacktes Sandspielzeug, solches nämlich, das man Kindern im Urlaub auf das Lacoste Handtuch wirft und sagt: „Mach mal, ich sitz dort drüben in der Unterwasserbar“.
Ich gehe nämlich davon aus, dass die Menschen, die uns mit dieser Inselfrage löchern und belästigen, gleich um die Ecke in einer All-Inclusive-Bude rumlungern und die blöd vor sich hin Lesenden und an Palmen Rüttellenden mit versteckten Kameras einfangen und das Ganze an Servus-TV verkaufen. Im letzten Moment wird man dann wiederbelebt und bekommt eine Einladung zur Romy Gala in die Hand gedrückt. Ich bleibe wie üblich gelassen, mein bester Freund heißt Wilson und auf meiner Einkaufsliste stehen „Wasser“ und „Plutonium“, und auch hier und diesmal bleibt die Frage offen.
Da fällt mir ein, dass eine Angel- und eine Wünschelrute recht inselangebracht wären. Hauptsache Ruten, obwohl ich das Wort Rute hässlich finde, genauso wie die Wörter Hangar, Carozza, Ragazza und Blumentopf.
Themawechsel: In meinem Kopf höre ich die Stimmen von Hiob über Nostradamus bis Kurt Cobain, das kann nicht gesund sein, außerdem hat nur der Letzte einen Vornamen, und zu allem Überfluss ruft mich meine Mutter jeden Tag per Joghurttelefon an und fragt mich, ob ich auch genug Stäpfel essen würde, als hätte ich nicht genug zu tun.
„Ja! Und nicht nur Stäpfel sondern auch Krotraut“, antworte ich wie aus der Pistole geschossen.
In Wahrheit ist die Verbindung meistens schlecht, wir wohnen in verschiedenen Zimmern, und wahrscheinlich sagt sie nicht Stäpfel sondern Äpfel, und natürlich meine ich Leberknödel und nicht Krotraut.
Halten wir also fest:
1. die Zeit vergeht
2. die Welt verändert sich
3. Hangar ist ein hässliches Wort
4. die Köder nicht vergessen, folglich: Angelrute, Wünschelrute und Köder
5. Einer geht Eis essen der Anderer auf die Mariahilferstraße
6. und letztens war ich wieder einmal im chinesischen Lokal unten am Eck, in dessen Auslage rotbraun bepinselte und aufgeblähte Plastikhühner hängen, in der Speisekarte steht etwas von Sushi, Kebab, Pizza und Schnitzel, ich bestelle ein Mineral.

Montag, 16. Mai 2011

lange Rede gar kein Sinn

Vor ein paar Tagen war ich auf einer sogenannten Kunstmesse. Seitdem habe ich Durchfall und schon wieder ist Montag. Die Zeit vergeht eben, oder wie man auf indisch sagt: „Times are changing Mister!“. Ein paar Tage später flog ich nach Mumbai, um das Gegenteil festzustellen. Das Schlüsselwort ist „Durchfall“. Sonst gibt es wenig Neues.
Ach ja: viel interessanter als Kunst sind die Menschen, die fragend davor stehen, da läuft eine Uhr rückwärts, ein Zivilist schießt in Friedenszeiten einem Soldaten in den Kopf, das Blut läuft mir aus der Nase, ich habe Schweißfüße am Kopf und Schuppen auf den Füßen, meine Haut atmet.
Und nicht nur vergeht die Zeit, auch vergeht mir beim Essen der Hunger, der 2er fährt nach irgendwo und unsere Welt verändert sich:
Abgesehen vom Klimawandel nämlich ist mein Klo seit letztens verstopf, schon längst fliegt man um 44 Euro plus Kleingedrucktem nach London, Paris oder Rom, und die Krone wurde durch den Schilling ersetzt. Was will man mehr? Ich will meistens mehr Senf zu meinen Frankfurtern, ich will auch meistens mehr Frankfurter zu meinem Senf. Mein persönliches Ziel ist ein politisches Zwischensystem aus Schmelzkäsekapitalismus und Brandrodung, auch wenn der Kapitalist an sich eher der Kaste „Kanaldeckel“ angehört und mit kurzen Socken und totem Gierblick zwischen Hoher Markt und Graben pendelt. Sein Anzug heißt Armani oder Hugo Boss, seine Uhr fast Rolex, das Auto SUV, die Frau Sabine und die Affäre auch. Da lob ich mir den pakistanischen Zeitungsverkäufer unten an der Ecke, der mit strahlenden Augen seine Familie mit Kleingeld ernährt, obwohl auch dessen Affäre Sabine heißt.
Nein, ich nehme alles zurück, denn egal ob jemand im Goldenen Kreuz oder über Lampedusa unsere sogenannte bessere Welt betreten hat, möchte ich mich vor dem Wesen Mensch verbeugen.
Gratuliere Cici Bekali! Du lebst als Legende weiter, du hast es geschafft.
Apropos Cici Bekali, nach Bukarest fährt man am besten mit dem Faltboot bis Budapest, steigt dort ins Taxi, zwischenstoppt in Belgrad, isst im Restaurant Stari die Grillspeise Pljeskavica, lässt sich von den Serben ignorieren und übernachtet in Bukarest im Hotel Astoria, gleich beim Bahnhof, wo BP die Kinder mit Super Plus versorgt.
Witzig, oder?
Auch witzig find ich das Wort „Gasgerätekundenservice“, was ich im Rückspiegel am Kühler eines Kleinlieferwagens gelesen habe: „ecivresnednuketäregsaG“, auf dem Auto vor mir stand das Wort: „ieziloP“. Einbahn!
Ich habe ja ein spezielles Verhältnis zu netsiziloP, besonders zu jenen, die mir gemeinsam mit nerurllortnokniehcsrhaF entgegentreten und sagen: „siewsuA“.
„nessegreV!“, antworte ich.
Die Kunstmesse wurde damals im Messepalast ausgestrahlt, mein Klopapier ist vierlagig und mein Rückflug nach Wien geht morgen. Wer bessere Probleme hat, melde sich bitte.

Samstag, 7. Mai 2011

"nicht einordnen lassen"

Ich hab kein Interesse an Dachlawinen, was ich längst schon in meinem Profil bekannt gab. Zweitens bin ich männlich, in einer Beziehung und ein waschechter Mensch, ich schlafe beidhändig und habe die Sonne schon einmal Aufgehen gesehen. Unnötig, denn dieses Land ist kein heiliges Land.
Ich frage mich, ob man sich auf Raumschiff Enterprise die Schamhaare nicht per Laser- sondern Fasertherapie dauerhaft entfernen lässt? Ich denke da nur an Commander Spock und Lt. Nyota Uhura.
Auch bin ich kein Freund Thomas Manns und dem Tod an sich.
In Venedig gibt es noch kein MC-Swimm -In.
Tod durch Ertrinken in einem venezianischen Swimm-In.
In Thomas Manns Zauberberg sagt Klinikleiter Hofrat Behrens (danke an Wikipedia) zu seinen Patienten: „Ich wünsche gesegnete Nahrungsaufnahme“ oder so ähnlich. Da musste ich lachen. Danke an mich, denn sonst lache ich nur bei Woody Allen und bei „Tod durch Verhungern“ (danke an Karl Kraus).
Was nicht in meinem Profil steht, ist, dass ich weder Astronaut noch Krankenschwester bin. Das Phänomen Profil ist grundsätzlich ein Witz, da schreiben Hypertextfreunde unter dem Punkt Interessen: Freunde, Blade Runner (was soll das?), Bergsteigen, Musik ganz im Allgemeinen, Bruce Springsteen im Speziellen, Finacial Times, Ausgehen und Spaßhaben (besonders verdächtig), Pilgerreisen nach Maria Zell, Varanasi, oder Mekka, Sonne, Mond und Sternzeichen Krebs im Endstadium (leider!), Biologisches aller Art, Seifenschalen und Klobesen von Philipp Starck, Arbeiten (Streitfrage), Streitfragen (Arbeit), Hunde, Politik (auch nicht schlecht), Kochen und alles aufessen, was auf den Tisch kommt, und so weiter.
Ich habe die Angewohnheit, immer nur fast alles aufzuessen, was auf den Tisch kommt und auf folgender Argumentation beruht: warum nicht alles aufessen, was nicht auf den Tisch kommt, oder überhaupt und abgesehen vom Ort des Auftischens (ha!) alles aufessen? Ich habe auch die Angewohnheit, einen Container aufzustellen, auf dem am Eingang das Schild „Nichtraucherzone“ hängt, drinnen sagt einen Lautsprecherstimmer immer nur den Satz: „Bitte beachten Sie, dass das Nichtrauchen nur in den dafür vorgesehen Nichtraucherzonen gestattet ist“. Was jetzt?
Ich werde eine Wiese pachten und das Hinweisschild „bitte betreten“ davor setzten, ein Museum gründen: „bitte berühren!“, ein Schwimmbad: „bitte vom Beckenrand springen!“, Supermarkt: „wir müssen leider drinnen bleiben“, „nicht einordnen lassen“, „bitte nicht warten“, womit ich beim Thema „warten“ bin: die Wiener Linien bitten mich diesbezüglich ständig um mein Verständnis. Die Wiener Linien bitten meiner Meinung nach hauptsächlich um irgendeine Art der Vergebung, zum Beispiel, wenn ein sogenannter Fahrgast sozusagen erkrankt ist. Ich kenne diese Art der Erkrankung, denn einer meiner ehemaligen Schüler erzählte mir von seinem Vater, der an einer Krankheit litt, bei der man am Ende vor die U-Bahn springt.
Natürlich ist diese Geschichte nicht lustig, keine Erkrankung oder Geschichte ist lustig.
Na ja, nicht ganz.
Kennen Sie den Film c´est arrivé près de chez vous?

Donnerstag, 5. Mai 2011

hating it

Für alle, die es interessiert, mein neuer Film heißt „Schlaflos in Guantanamo super zwei“, ein Koproduktion des Bayrischen Rundfunks mit Fox und Al Jazeera, in den Hauptrollen sehen wir und du Ottfried Fischer, Mel Gibson und Hiam Abbass, Nebenrollen wurden ausschließlich mit französischen Blutwürsten (boudin nior) besetzt.
Mein großer Dank geht an Alle, die bis hierher gelesen haben, und auch an Diejenigen, die ihre Wäsche noch selber wachsen (sic! und gusch!).
Mein nicht so großer Dank geht an den Rest der Welt und speziell an solche Strolche, die im Vorbeigehen lustiger weise an meiner Tür klingeln.
Ein kleiner Dank geht an die, die an meiner Tür vorbeigehen und lustiger weise nicht klingeln.
Und gar kein Dank geht an die aufgetakelte Minderheit von Menschen, die mir täglich in ambrosischer und gebührenfreier Selbsterkenntnis auf dem Weg zur Fremdentledigung entgegen kommen.
Sie haben das Wortspiel schon erkannt?
Ich auch nicht!
Es ist dieser Teil Mensch, die in siecher oder angeborener oder günstig erstandener Antipathie die Welt mit Süßwarenläden, Atomkraftwerken und anderen Freiluftveranstaltungen entreichert. (Danke an die Redaktion)
Besonderer Dank geht naturgemäß an die Pixies und ihrem Lied „The Happening“, Dank auch an das chinesische Restaurant „Goldener Freispruch“ im Erdgeschoss, das wegen Krankheit ab 1. Juni geöffnet hat, ich bedanke mich bei meinen Eltern, beim schönen Wetter im April, bei Montesquieu, Bergbauern Milch, meinen Mitbewohnern, Frederik, Sebastian, Dominik, beim Glas im Gesicht, Visadron, Kalkstäben (was auch immer), Verkehrsnachrichten, ich bedanke mich bei Courvoisier, Achtungserfolgen im Bereich Englisches Stromaufwärtsschwimmen, Notausgängen und Fachunterricht.

Dienstag, 26. April 2011

AKT ZWO


Manche sprechen ständig von diesem und jenem. Zum Beispiel über Dinge, die man vermeiden sollte.
Dazu sage ich nur:
Kein Sushi am Ostermontag!
Außer man verzichtet freiwillig auf den Dienstag und auf den Rest seines Lebens. Weiters empfehle ich unter der Woche keine Sonnenstudios zu besuchen. (unglaubwürdig!)
Der Rest des Lebens ist ja so eine Sache.
Auch unglaubwürdig sind Erkundungsritte durch die pannonische Tiefebene auf argentinischen Nutztieren. (ermüdend!)
Manche sprechen vom Rest des Lebens, als würden sie Zahnstocher zählen.
Die Aussichten darauf sind ohnehin dornenrosig: Erlebnislokale, in denen man zu einem Kaffee entweder eine Miele Waschmaschine oder so eine Minispielorgel, die je nach Tiefdrucklage entweder die österreichische oder amerikanische Hymne spielt, gewinnen kann, von der EU geförderte Horizontalradler mit wehenden Tibet Fahnen (Eigeninitiative), Großraumtaxis mit Raucherzone, Tampons von Apple, das sogenannte I-ob, Microsoft reagiert prompt und entwickelt die leider etwas undichte Vista-Slip Einlage, das restlich Leben besteht aus Menschen, so wie mir, die ernsthaft davon überzeugt sind, dass die Sezession irgendetwas mit der Jahrhundertwende und nicht mit der menschheitsalten Sehnsucht nach Selbstverbesserung zu tun hat, hochmütig in ihrem Überlebenskampf, immer rechtsfüßig aus dem Bett, im Massenprotest gegen Assad, zweifellos im Spiegelblick, der Tumult vor Sathya Sai Babas Sterbehaus wird leiser.
Wir dürfen dieser Welt nicht Recht geben.
Das Sterben an sich ist zu einem Versagen gegenüber der Gesellschaft geworden. (hier ausgenommen sind Mitarbeiter der SCOR, SWISS Re, Munich Re und anderer Rückversicherer)
Manche sprechen überhaupt nur von sich und dem, was sie sich als ihr Umfeld in Form von Halbwissen und –gefühlen zusammen gebastelt haben, darunter fallen die unglückliche Liebe und ein paar Informationsmonopolisten, die genau wissen, ob man sich den Finger lieber in die Nase oder den Hintern steckt, darunter fallen auch zueinanderpassende ClipArts und „fügen Sie einen Smiley zu was auch immer Sie gerade tun hinzu“, als wären uns die individuellen Ausdrucksformen komplett und für immer abhandengekommen, und so funktioniert es:
Nein, lieber doch nicht, mein Vorstellungsvermögen reicht nämlich nicht über die Tastatur, vor der ich sitze, hinaus. Betrete ich die Welt des Äthers und des Dunstes, ist Schluss, höchstens eine Jesus- oder Newtondokumentation am frühen Nachmittag oder Essigchips aus Bobbys Food Store. Von denen bekommt man zwar violette Lippen, sie geben mir dennoch ein Gefühl der Geschmacksüberlegenheit, und wer braucht das von Zeit zu Zeit nicht?
So kommt es dann an einem bestimmten Abend alle zwei Monate vor, dass die Gegend um das Freihausviertel von Menschen mit violetten Lippen, die sich gegenseitig von sehr weit oben herab betrachten, belebt wird.
Sie wissen welcher Geschmacksüberlegenheitstag gemeint ist, und auch den sollte man vermeiden.
Weiters zu vermeiden sind neue und alte Schachteln, Spannholzwege, Abschleppzonen (Achtung!), und mir persönlich ist es lieber, 20 Stunden mit dem Zug zu fahren, als 20 Stunden Teppiche zu klopfen. Ich vermeide Frisuren und Umweltkatastrophen, find ich öd, Gespräche über Abhör- oder nur Hörgeräte, und vor allem habe ich keine Lust auf Wunderbares und Seelenauslagendekoration auch zeitgenössische Kunst genannt, die in kommerzieller Spannung ihre Persönlichkeit mit Lärm und Überwelt verwechselt, oder gar nicht mehr verwechselt, sondern davon ausgeht, dass das Äußere das Innere ist.
(Noch rede ich nicht von Julius-Meinl-Sonnenschirmen-IV.)
Manche sprechen vom Rückzug in die Disziplinen.
Manche sprechen von permanenter Enthaarung zwischen den Beinen (Arschlöcher ausgenommen).
Manche fühlen sich immer angesprochen.
Zum Beispiel ich!

Sonntag, 24. April 2011

Akt Eins

Wie soll ich jemals ein echter Mann werden? Meine einzigen diesbezüglichen Vorbilder sind bis heute Donald Duck und ein Meeressäuger namens Flipper geblieben, wobei ich nicht ganz sicher bin, ob Flipper überhaupt ein Mann ist, und jetzt fällt mir zu allem Überfluss auch noch ein, dass ich früher manchmal die Nachbarsmutter beobachtete, wie sie mit ihren knöcherigen Armen versuchte durch den Maschendrahtzaun unser Unkraut zu jäten. Frage über Fragen.
Themawechsel: Normales Gulasch wird mit Semmel oder anderem Gebäck serviert, das Fiakergulasch mit Spiegelei, Würstel und Essiggurke, alles Panierte kann man mit Kartoffelsalat essen, außer panierten Kartoffelsalat, dazu passt eher Zuchtlachs oder gleich die Aussicht auf die Hermanngasse im siebten Bezirk, woanders gibt es die sowieso nicht, Cremespinat schmeckt gut, dazu ein Glas Wasser oder Wein, das Wort „out“ ist cool, und umgekehrt genauso, mein Fahrrad hat einen Platten, dafür hab ich keins. Ich finde mein Leben spannend und auf eine ganz besondere Art vakuumiert. Manchmal wippe ich mit dem linken Bein und denke an entblößte Frauenbrüste. Das zum Beispiel könnte männlich sein. Oder?
Manchmal wird mir dabei auch übel. Auch egal.
Auch egal ist mir mein Fitnesscenter, da hing über dem einzigen Pissoir ein Schild mit der Aufschrift: „dieses Trainingsgerät ist leider defekt“. Seit dem trainiere ich nur noch öffentlich oder zu Hause. Als Kind trainierte ich manchmal in die Hose, besonders, wenn man mich von zu Hause wegschickte, um mir bei Großmutter ein paar Ohrfeigen abzuholen.
„Hier!“, sagte sie dann und lachte.
Großmutter lachte oft und mittlerweile lache ich auch wieder.
Außer an Donald Duck und diesen Flipper erinnere ich mich noch an unsre Nachbarin, aber das sagte ich schon.
Was ich noch nicht sagte, ist, dass es das ganze Wochenende über schön sein wird. Hochdruck auf der ganzen Welt, von Patagonien bis Nowosibirsk, ich schlage am Sonntag eine recht bunte Wochenendzeitung auf und lese die Schlagzeile: „Frau von Einbrechern geweckt!“, das klingt irgendwie nach „Gott sei Dank“, denn wer weiß, was passiert wäre, hätte man sie nicht geweckt: Termin verpasst, Arbeitslosengeld eingestellt, weder Milch noch Strom, Rückzahlungen unmöglich, Familiendiadem weg, Sozialfall, Amoklauf, 32 tote Kindergartenkinder in Hernals! Na Also, denke ich.

Dienstag, 19. April 2011

WAHRSCHEINLICH NICHT

Die Wunde des Trägers

Ach ja, wieder einmal so ein Wortspiel, ich liebe ja Wortspiele ohne gröbere Konsequenzen, so wie ich auch südbahnhofnahe Kreditaufnahmen in unmarkierten Dollar ohne jene gröberen Konsequenzen liebe, ich liebe überhaupt alles, was keine Konsequenzen mit sich bringt. Geburten sind da eine Ausnahme, doch Geburten bringen Schmerz und Schnupfen, Liebe und Nasenbluten mit sich, Regentage und unmengen an Klopapierverbrauch, sie bringen das ganze Leben mit sich, und den Moment, wenn man dahinter kommt, dass die zwei Menschen, die einen jahrelang angebrüllt haben, nicht die eigenen Eltern sondern Axel Rose und Charles Michael Kittridge Thompson IV alias Francis Black waren, denn die eigenen Eltern sind außer durch die immer selben Frisuren nicht wirklich aufgefallen. Manchmal gabs Zoff, manchmal war wochenlang nichts, der Fernseher in der Küche lief heiß, zu Essen gab es versalzene Sternschnuppen, draußen wurde der Nachbarsohn von der Müllabfuhr überfahren und niemand lachte. Das eigene Leben kommt einem meistens besoderns wichtig vor, obwohl es die Wenigsten zum Stationswart schaffen.
Vor einigen Jahren war ich in einem Hotel am Roten Meer und ein braunrotgebrannter Mensch brüllte die Frau an der Rezeption an, dass er nicht zum Spaß hier sei.
Ich nickte aus dem Hintergrund, denn richtig, wir alle sind nicht zum Spaß oder irgendeiner anderen Art des Profanzustands hier, Rotmeerrezeptionisten mögen da eine Ausnahme sein, denn die erleben die Existenz als den Urlaub anderer. Paradox genug!
Ich sehe das Leben als eine all-exlusive Urlaubsform von etwas, was ich noch nicht kenne, aber wirklich neugierig bin ich nicht. In dem Film Contact sagt ein Wissenschafter zu Jodie Foster, dass man ihr das schmerzlos wirkende Selbstmordmedikament nicht deswegen mitgibt, um den vorstellbaren Zwischenfällen sondern den unvorstellbaren vorzubeugen. Tolle Szene, denn sie gibt über unsre Immunsysteme und Geschmäcker aufschluss.
„Morgen werden wir ihnen ihren Sonnenschirm wieder reservieren“, sagte die Rezeptionistin damals.
„Morgen geht mein Rückflug“, antwortete der braunrotgebrannte Mensch.
In Wahrheit gibt es keine Rückflüge, dachte ich, doch ich sagte nichts; schmerzlos soll das Leben wirken, manchmal habe ich in der Unterbauchgegend Schmerzen, und ich weiß dann nicht, ob ich mich für Prostata- oder Magenkrebs entscheiden soll?
Die Konsquenz meiner Geburt ist unter anderem auch, dass ich gestern ein Freund traf, der mir erzählte, dass er am Liebsten niemals auf die Welt gekommen wäre.
„Warum?“, fragte ich.
„Ist nur mühsam“, antwortete er.
Wir saßen in einem kleinen dunklen Lokal im Zentrum der Hauptstadt, draußen schien die Sonne, drinnen spielte Keith Jarret sein Kölnkonzert, der Kellner tippte auf seinem Telefon herum, grinste und tippte weiter.
Wer nicht Stationswart wird, wird Immobilienmarkler, Krimineller oder Spaziergeher wie dieser französische Schriftsteller.
Eine andere Konsequenz sind schattige Gastgärten und Südhalbkugeln.
Ich verbrachte damals 6 Nächte am Roten Meer und zahlte bar mit Dollar.
Weitere Konsequenzen: Hitparaden, Kaffeesud, Sperrlinien, Verwandte, Blutergüsse, Sackgassen, Abendausgaben, Tanzschritte, Landeanflüge, Doppelmorde, Verabschiedungen, FKK-Strände, All You Can Eat Lokale, Klobesen und eine deutsch Firma namens Holst oder so ähnlich, die mir seit Jahren Briefe schreibt, in denen man mich zur Rückzahlung eines Kredits auffordert.
Wahrscheinlich!

Mittwoch, 13. April 2011

Kaiserfernsehen

Ich habe mir vorgenommen, ab heute nur noch AC/DC und die Quietsch Boys aus „Hallo Spencer“ zu hören, das hebt die Stimmung und ärgert die Spatzengroßfamilie, die jeden Morgen vor meinem Fenster ihre Etuden singt, ich habe mir auch vorgenommen, ab heute nur noch die 0-Nummer der Muskete zu lesen, und zwar von hinten nach vorne, damit ich mich am Ende nicht schon wieder über das schlechte K.K.-Fernsehprogramm ärgere. Da spielt es nämlich ab 9 Uhr die Serie „die Kutschen unsres Kaisers“, gefolgt von der Informationssendung „schließt alle Fenster und öffnet die Tür nur nach drei mal lang und zwei mal kurz Klopfen“, zu Mittag kommentiert Arthur Schnitzler die Realitätsshow „Austrias next Thronfolger“, in der die Protagonisten, wie zum Beispiel Rudolf und Franz Dingsbums, die Kronländer abfahren müssen, ohne erschossen zu werden, hinterher Sport mit Maximilian Salvator und so weiter.
Am Nachmittag gibt es unter der Moderation Koloman Mosers die politische Diskussionsrunde „legen wir die Waffeln nieder“. Die heutigen Gäste sind Sigmund Freud, Frau Langhans, ihr Mann Heinz, Stefan Zweig und Theodore Roosevelt. Die Themen sind „Nebenwirkungen sozialistischer Onanie“, „das Wetter von Gestern“ und „Tupperwareparties in Schloss Schönbrunn“.
„Ich meine was soll das“, sagt Sigmund Freud.
„Dem muss ich zustimmen“, sagt Frau Langhans.
„Da will ich jetzt mal unterbrechen“, meldet sich Stefan Zweig, „denn die eigentliche Frage müsste lauten, was soll das BITTE?“
„Wo ist hier eigentlich das Klo?“, fragt Theodore Roosevelt.
„Auch eine gute Frage“, sagt Frau Langhans.
„Ja, ja auch dieser brisanten Frage werden wir uns später noch zuwenden“, sagte Koloman Moser.
„Ich glaube es ist ernst“, sagt Heinz.
„Natürlich ist es ernst“, brüllt Koloman Moser plötzlich los und verpasst Sigmund Freud eine leichte Kopfnuss. Der beginnt zu weinen und kriecht unter den Dikussionstisch, wo er die restliche Sendezeit bleibt und sein verschollenes Werk „meine Mami und ihr Strumpfband“ schreibt, dannach läuft das beliebte Kinderprogramm „die Blendung mit dem Kraus“, später das Propaganda- und Gymnastikformat „mit Bomben und Spagaten“, an dessen Ende der Weiland persönlich Turnübungen vorführt und uns Untertanen zum „fröhlichen Mitmachen“ auffordert, anschließend „Kochen mit Sisi und Gästen“, heute mit einem Vorfahren Erwin Prölls, und um 22 Uhr der sozialkritische Dauerbrenner „Schirch und Arm“. Zum Kotzen!
Ich habe mir vorgenommen ab nächsten Morgen nur noch Gurkensalat und leicht gezuckerte SIM-Karten zu essen, so wie es mir meine Diätanalytikerin Dr. Handgreif emphfohlen hat, ich werde auch nur noch auf Nussbäume klettern, meine Kirchensteuer in Form von Kniebeugen und Altglas abbezahlen und Preise nur noch linkshändig entgegen nehmen. Mein letzter Preis war ja der niederdotierte Hoch-zu-Rotz-Tempo-Taschentücher-Publikumspreis, der jährlich und in finanzieller Kooperation mit Nasivin und meinen Eltern an besondere Hoffnungsträger aller Facon vergeben wird. Letztes Jahr war der Geehrte mein guter Freund B. H. vulgo Belmut Herger.
Darüber hinaus höre ich am 30. April mit dem Rauchen auf, das liegt im Trend und soll nicht ungesund sein. Es liegt auch im Trend auf alles zu scheißen und ohne Bremspedale die Großglocknerstraße hinauf zu radfahren (radln). Viele Dinge liegen mittlerweil im Trend: Frisuren zum Beispiel. Mein Haargel verspricht mir eine „Hairperformance“, so als würde mein Federvieh demnächst auf Weltournee gehen.
Nein! Ich bleibe zu Hause und meine Frisur auch.
Mein letztes Wort!

Dirk Stermann und andere Diebe

Die Rezeptmanager

Unser heutiger und erster Rezeptmanager heißt Lutz Unterstrich Uwe und lebt auf dem Land bei Untertullnerbach. Wir lieben sein Entree, und die Küche hat auch was von Klasse, das Wohnzimmer, unter nobel abgewetzten Banausen auch „Salon“ genannt, jedoch ist eine sogenannte Frechheit oder anders gesagt: eine Zumutung. Wir sind ja offen für Ausgefallenes und Rechtsdrehendes, wir sind auch offen für exzellente Ehefrauen und japanische Putzerfische, für Zitrusfrische, Naturvölker, Eiswürfelsäcke der Marke Alu Fix, die frühen Pixies und einen Champagner namens Krug Clos du Mesnil, aber das hier: nein, niemals!
Lutz Unterstrich Uwe, unser Held, hat eine Mirkowelle, was lustig ist, denn sein bester Nachbar heißt Mikro, und sammelt Nebensächliches aus der Epoche des Belle. Aber nicht wie Sie glauben.
Übrigens sind wir auch offen für Mülltrennung aller Art.
Vom Wohnzimmer aus blickt man auf die Hauptstraße der kleinen Stadt, da gibt es einige Geschäfte, darunter Hertas Blumenladen, eine Eisenhandlung, einen kleinen Supermarkt, in dem Pensionisten Montags 10 Prozent mehr zahlen dürfen, da ist ein leerstehendes Lokal, wo sich jeden ersten Freitag im Monat und unter Kuratierung K-Alb Schr´ aufstrebende Freiluftgenossen zu einer Mikadopartie treffen, wo man sich hinterher, und hier kommt endlich unser Rezeptmanager Lutz ins Spiel, bei Foit Gras und oben genannten Champagner über Goethes und Hitlers Werke austauscht und später die Hosen runter lässt um dem Ganzen ein gewisse Note zu geben.
Natürlich sind wir auch für Wolkenbrüche und Absatzmärkte offen.
Weiters bietet die Aussicht einen umwerfenden Blick auf die A1, jener europäischen Sehrschnellstraße, die unter anderem Wien mit Pressbaum verbindet, doch lässt man seine Ängste hinter sich und fährt und fährt, wie es unser Lutz manchmal tut, dann kommt man nach Paris oder Gmunden.
In Paris lässte es sich leben.
In Gmunden gibt es eine heruntergekommene Seepromenade und eine Thomas-Bernhard-Suite, in der wir einmal übernachteten.
„Das nächste Mal gibt es Eis“, schreit Lutz in die Freiluftrunde.
Heil-Rufe, es klingt wie „hedl“, was natürlich aus Karl Kraus´ „letzten Tagen der Menschheit“ gestohlen ist. Überhaupt fällt uns seit längerem auf, dass man auf geistiges Eigentum wenig wert legt, so lasen wir vor kurzem im Magazin „Wiener“ einen Text von Dirk Stermann, in dem er ohne so genannten Genierer die Worte „im Kriegsfall als Geisel verwendungsfähig“ gebrauchte. Erstens stammt das Zitat aus den70ern, zweitens ist es nicht mehr lustig. Wir hoffen, Dirk schämt sich, wir hoffen auch, dass man der Schlussredaktion den Kopf wäscht.



2. Tiel

Natürlich erwarte ich von einem Feinkostmitarbeiter des Bio Meran Sehrsupermarkts in der Kaiserstraße mehr an Freundlichkeit als von Cobra Agenten, die gerade eine Drogenbude einen Stock darüber stürmen, obwohl die Worte „Bio“ sowie „Cobra“ prinzipiell rein garnichts über Freundlichkeit aussagen, sonder nur darüber, wie hoch der Stressfaktor ist und wie eng die Dinge oft beeinander liegen. So zum Beispiel fuhr ich vorgestern im Taxi und hörte im Radio Bruckners letzte Symphonie, die der Komponist wohlwollenderweise dem „lieben Gott“ gewidmet hatte.
Anderes Beispiel: Im Haus gegenüber lebt eine Frau, die sich in der Nacht als Napoleon verkleidet und in dieser Montur 40 Liegestütz in ihrem hell erleuchteten Schlafzimmer macht, oder: „Rostbratwürstelspieß mit Pommes Frites und Salat Euro 8,70,-“
Ich lebe in einer Welt voller fragewürdiger Eindrücke und Tatsachen.
Eigentlich wäre ich gerne Dachdecker oder Fernfahrer, zu Hause stünde ein elektrischer Brunnen, es gäbe ein paar Menschen, die ich Familie nennen würde, es gäbe viel Musik und weißen Plüsch, eine Wiese, die talabwärts? liegt, das Tal würde Gewürztal heißen, nichts wäre weit, und der Greißler führte Gänseleber und hieße Maxi Waxi.
In Wahrheit bin ich Aufzugswart und lese Charles Bukowski, ich hab ein kurzes Bein und achte nur auf Linkskommende, manchmal Henry Miller, meine Urlaube verbringe ich in Spitzbergen, ich kaufe bei Meinl, parke um die Ecke, lebe zu eint, lache nie, schreibe zu acht, atme Luft, trinke zu oft, bete nach Mekka, denke kreuz, gehe quer, verlass mich auf mich, will keine Rechnung, liebe die Nacht, rufe nach Lust, gehe unter, spanne den Schrim, verwähle mich falsch und überhaupt.....

Montag, 11. April 2011

1. Tiel


Romana: Ramona?
Ramona: Na du?
Romana: Was ich?
Ramona: Keine Ahnung
Romana: Mein Mann hat schon wieder ins Waschbecken gepinkelt
Ramona: Tust du das nicht auch?
Romana: Nur im Zug, da graust mir so
Ramona: Vielleicht graust deinem Mann vor eurem Klo
Romana: Vielleicht hast du gar keinen Mann
Ramona: Oder vielleicht wäscht er sich im Klo die Hände, weil ihm vor dem Ins-Klo-Pinkeln so vorm Waschbecken gegraust hat
Romana: Telefonieren wir morgen noch mal
Ramaon: Ciao
Romana: Ciao



1. Tiel

Wer Petronell-Carnuntum kennt, der weiß, fährt man bei der zweiten Ampel links, den Hermann-Göring-Ring weiter über die Franz-Schubert-Donaubrücke in die nach dem germanischen König Arovist benannte Nordhälfte des Dorfs Arovist (die südliche heißt zu Ehren des letzten Dorftrottels Ostösterreichs Hans-Peter, der sich vor 72 Jahren mit dem ersten mitteleuropäischen Verlängerungskabel verwechselt hat unf naja), dort beim ersten Kreisverkehr gerade drüber –rechts steht das Marcus-Aurelius-Sprücheklopfergedenkhaus, weiter durch die Elmar-Oberhauser-Unterführung, rechts, rechts, gerade, vierte links, man zu einem Haus mit der Adresse Achtung-Achtung Nummer 23 kommt. Dieses Haus mag äußerlich unscheinbar, vielleicht sogar schlicht wirken, das Dach ist grau gedeckt, der ausgebleichte Putz der Wände bröckelt auf den Gehweg, aus einem Schornstein qualmt der ewig weiße Rauch der heiligen Einigung, die Fenster sind von außen vernagelt, die Tür jedoch ist für jedermann offen, denn hier in diesem schmucklosen Haus lebt Familie Alalalah-Schmid-Uff.
Man kann aber auch, will man sich das Mautgeld und die dadurch finanzierten Schlaglöcher sparen, über die Ukraine, Moldavien und Rumänien fahren, biegt bei der Tankstelle links ab und ist auch angekommen.
Der Vater der Familie Alalalah-Schmid-Uff heißt Franz.
Die Mutter Elefreide und Ralf.
Zum Essen gibt es Speck.
Morgen ist Dienstag.
Übermorgen auch.
In einem Zimmer hinter der Küche versteckt sich seit 24 Jahren Hugo Portisch, der bekannte Seismologe und Werbetexter, nicht, weil er auf der Flucht vor der SVA oder Heide Schimds Wurstfingern wäre, nein: Herr Hugo versteckt sich vor der Macht der Vorsehung.
Die Kinder heißen einerseits Stefan anderseits Stefanie und wurden in einem Wäschekorb hochgezogen.
(Ich selbst wurde von meiner Mutter oft kopfüber und mit den Worten „lach mal wieder“ in die Sandkiste gesteckt. Seit dem 26. April 1986 war der Spaß dann vorbei, und wir begannen durch Gasmasken zu essen. Außer Vater: der lebt von Dosenravioli.)
Vater Franz ist Prokorist der Firma „Firma“, eine Firma, die Firmen Firmen verkauft. Seine Tage sind lang und karg, Weihnachtsgeld gibts keins, dafür streicht man den Urlaub und vergräbt zu Ostern Staubwedeln.

Samstag, 2. April 2011

vanilleeis und ohrfeigen sowieso

Das wars mal für den Anfang.

Obwohl:
1. wenn ich zu lange mit der selben Frau rede, bekomme ich Durchfall. (Das war das lezte Mal vor ein paar Stunden, da kam mir dann dieser Film in den Sinn, in dem ein glattrasierter Mann ein Telefongespräch mit den Worten: "Also Morgen um 10" beendete. Das Interessante oder Kuriose daran war, dass keiner der beiden Gesprächspartner zuvor über irgendeinen sogenannten Meetingpoint gesprochen hatte.  Man traf sich dann trotzdem, und zwar an einem windigen Hafen, der typische 10-Uhr-Morgen-Hotspot, ein paar Möwen kreischten durch die Atmosphäre, und die beiden Herren tüfftelten dann an einem Überraschungsmordanschlag auf einen stadtbekannten Oberwasweißich. Die Wege trennten sich, der eine ging nach Hause, trank an einem Kaffee, und erzählte seiner Frau, dass "die Dinge wie geschmiert laufen"; vom anderen weiß ich bis heute nicht viel mehr, außer, dass der Schaupieler in einem anderen Film mit den Worten: "ich bin doch nicht verwundet" dahinschied.)
Gott sei Dank!

2.  wenn ich die Ubahn verpasse, stell ich mich schlafend.

3. Vernissage in der Galerie Harnstrang,  Gedränge, an den Wänden hängen die grob gemalten Porträts zukünftiger Diktatoren.
Frau1: gestern hab ich bla bla bla...
Frau2: echt?
Frau1: du hörst mir wiedermal überhaupt nicht zu
Frau2: doch, du hast gesagt: gestern hab ich bla bla bla...
Frau1: also gestern hab ich diesen Typen getroffen, den mit der Frisur und dem Motorad..
Frau2: Motorrad mit 2 R bitteschön, Porsche?
Mann1: Porsche?
Frau1: Motorrad!
Mann1: meine Frau hat einen Porsche
Mann2: mein Mann auch.
Galerist: also wie schauts aus?
Mann1: schlecht, gibt es noch einen Wein?
Mann2: aus den 80er Jahren
Frau2: was?
Irgendeiner1:....dann werfen wir 20 Künstler in so eine Grube in Chile oder Österreich, wurscht, Knäckebrot und Wasser hinterher, Malfarbe und Zeug, machen oben zu und warten..
Frau2: Porsche?
Irgendeiner2: ich bin ja neugierig, den Wurm, den West und 18 andere mit W
Frau1: Wang Hui, Wang Wei, Wang Shi-Min, nein, es war ein Motorad
Frau2: Motorrad mit 2 R bitteschön
Irgendeiner1: Wu Li, Wu Wei
Galerist: Geh bitte
Irgendeiner2: Hui Wui
Mann1: also, gibt es noch Wein, oder muss ich in die Galerie Ströck
Künstler: heute in der früh bin ich aufgewacht und hab dann..
Galerist: Gusch!
Irgendeiner1: fehlen noch 13
Irgendeiner2: ich glaub der Hui Wui ist überhaupt kein Künstler
Irgendeiner1: na und, der Wurm auch nicht
Auskenner1: man spürt den Gravitationseffekt einer langen und intensiven Auseinandesetzungsneurose mit dem Thema Vanilleeis und Ohrfeigen
Auskenner2: sowieso
Frau1: wir sind dann mit demMotoRRad die Höhenstraße hinunter
Frau2: Höhenstraße hinunter
Künstler: ...und hab dann ziemlich lange in die Klomuschel geschaut, hab alle 5 Minunten ein Stück Brot hinein geschmissen, heruntergelassen und hab das ganze mit einer Wegwerfkamera fotografiert...
Irgendeiner: sag mal, beginnt dein Name auch mit W?
Auskenner1: der Abstand zum Ende wird immer kürzer
Auskenner2: und am Ende steht die Wand, an die der Chryslerchef mit dem neuesten Model des Chrysler Voyager kracht
Mann1: Porsche?
Galerist: interessant
Frau2: ja und dann?
Frau1: Liptauerbrot im Zimmermann, der Typ hat versucht das Brot durch sein Helmvisier zu essen
Frau2: und den Wein?
Frau1: Traubensaft
Mann1: ich geh jetzt in die Galerie Ströck
Künstler: ich hab dann auch fotografiert, wie der Installateur mit dem Mann von den Wasserwerken zu streiten angefangen hat...
Galerist: ich hab gesagt gusch
Irgendeiner1: so 4 bis 5 Monate, dann machen wir wieder auf...
Irgendeiner2: Dirk Wachsmuth, hihi
Mann2: späte 80er Jahre
Frau1: Frechheit
Mann1: Ciao
Igendeiner1: ..schütten das Ganze mit Zement zu und verkaufen den Grubeninhalt an die Stiftung Warentest
Franzose: gud eidi