Dienstag, 26. April 2011

AKT ZWO


Manche sprechen ständig von diesem und jenem. Zum Beispiel über Dinge, die man vermeiden sollte.
Dazu sage ich nur:
Kein Sushi am Ostermontag!
Außer man verzichtet freiwillig auf den Dienstag und auf den Rest seines Lebens. Weiters empfehle ich unter der Woche keine Sonnenstudios zu besuchen. (unglaubwürdig!)
Der Rest des Lebens ist ja so eine Sache.
Auch unglaubwürdig sind Erkundungsritte durch die pannonische Tiefebene auf argentinischen Nutztieren. (ermüdend!)
Manche sprechen vom Rest des Lebens, als würden sie Zahnstocher zählen.
Die Aussichten darauf sind ohnehin dornenrosig: Erlebnislokale, in denen man zu einem Kaffee entweder eine Miele Waschmaschine oder so eine Minispielorgel, die je nach Tiefdrucklage entweder die österreichische oder amerikanische Hymne spielt, gewinnen kann, von der EU geförderte Horizontalradler mit wehenden Tibet Fahnen (Eigeninitiative), Großraumtaxis mit Raucherzone, Tampons von Apple, das sogenannte I-ob, Microsoft reagiert prompt und entwickelt die leider etwas undichte Vista-Slip Einlage, das restlich Leben besteht aus Menschen, so wie mir, die ernsthaft davon überzeugt sind, dass die Sezession irgendetwas mit der Jahrhundertwende und nicht mit der menschheitsalten Sehnsucht nach Selbstverbesserung zu tun hat, hochmütig in ihrem Überlebenskampf, immer rechtsfüßig aus dem Bett, im Massenprotest gegen Assad, zweifellos im Spiegelblick, der Tumult vor Sathya Sai Babas Sterbehaus wird leiser.
Wir dürfen dieser Welt nicht Recht geben.
Das Sterben an sich ist zu einem Versagen gegenüber der Gesellschaft geworden. (hier ausgenommen sind Mitarbeiter der SCOR, SWISS Re, Munich Re und anderer Rückversicherer)
Manche sprechen überhaupt nur von sich und dem, was sie sich als ihr Umfeld in Form von Halbwissen und –gefühlen zusammen gebastelt haben, darunter fallen die unglückliche Liebe und ein paar Informationsmonopolisten, die genau wissen, ob man sich den Finger lieber in die Nase oder den Hintern steckt, darunter fallen auch zueinanderpassende ClipArts und „fügen Sie einen Smiley zu was auch immer Sie gerade tun hinzu“, als wären uns die individuellen Ausdrucksformen komplett und für immer abhandengekommen, und so funktioniert es:
Nein, lieber doch nicht, mein Vorstellungsvermögen reicht nämlich nicht über die Tastatur, vor der ich sitze, hinaus. Betrete ich die Welt des Äthers und des Dunstes, ist Schluss, höchstens eine Jesus- oder Newtondokumentation am frühen Nachmittag oder Essigchips aus Bobbys Food Store. Von denen bekommt man zwar violette Lippen, sie geben mir dennoch ein Gefühl der Geschmacksüberlegenheit, und wer braucht das von Zeit zu Zeit nicht?
So kommt es dann an einem bestimmten Abend alle zwei Monate vor, dass die Gegend um das Freihausviertel von Menschen mit violetten Lippen, die sich gegenseitig von sehr weit oben herab betrachten, belebt wird.
Sie wissen welcher Geschmacksüberlegenheitstag gemeint ist, und auch den sollte man vermeiden.
Weiters zu vermeiden sind neue und alte Schachteln, Spannholzwege, Abschleppzonen (Achtung!), und mir persönlich ist es lieber, 20 Stunden mit dem Zug zu fahren, als 20 Stunden Teppiche zu klopfen. Ich vermeide Frisuren und Umweltkatastrophen, find ich öd, Gespräche über Abhör- oder nur Hörgeräte, und vor allem habe ich keine Lust auf Wunderbares und Seelenauslagendekoration auch zeitgenössische Kunst genannt, die in kommerzieller Spannung ihre Persönlichkeit mit Lärm und Überwelt verwechselt, oder gar nicht mehr verwechselt, sondern davon ausgeht, dass das Äußere das Innere ist.
(Noch rede ich nicht von Julius-Meinl-Sonnenschirmen-IV.)
Manche sprechen vom Rückzug in die Disziplinen.
Manche sprechen von permanenter Enthaarung zwischen den Beinen (Arschlöcher ausgenommen).
Manche fühlen sich immer angesprochen.
Zum Beispiel ich!

Sonntag, 24. April 2011

Akt Eins

Wie soll ich jemals ein echter Mann werden? Meine einzigen diesbezüglichen Vorbilder sind bis heute Donald Duck und ein Meeressäuger namens Flipper geblieben, wobei ich nicht ganz sicher bin, ob Flipper überhaupt ein Mann ist, und jetzt fällt mir zu allem Überfluss auch noch ein, dass ich früher manchmal die Nachbarsmutter beobachtete, wie sie mit ihren knöcherigen Armen versuchte durch den Maschendrahtzaun unser Unkraut zu jäten. Frage über Fragen.
Themawechsel: Normales Gulasch wird mit Semmel oder anderem Gebäck serviert, das Fiakergulasch mit Spiegelei, Würstel und Essiggurke, alles Panierte kann man mit Kartoffelsalat essen, außer panierten Kartoffelsalat, dazu passt eher Zuchtlachs oder gleich die Aussicht auf die Hermanngasse im siebten Bezirk, woanders gibt es die sowieso nicht, Cremespinat schmeckt gut, dazu ein Glas Wasser oder Wein, das Wort „out“ ist cool, und umgekehrt genauso, mein Fahrrad hat einen Platten, dafür hab ich keins. Ich finde mein Leben spannend und auf eine ganz besondere Art vakuumiert. Manchmal wippe ich mit dem linken Bein und denke an entblößte Frauenbrüste. Das zum Beispiel könnte männlich sein. Oder?
Manchmal wird mir dabei auch übel. Auch egal.
Auch egal ist mir mein Fitnesscenter, da hing über dem einzigen Pissoir ein Schild mit der Aufschrift: „dieses Trainingsgerät ist leider defekt“. Seit dem trainiere ich nur noch öffentlich oder zu Hause. Als Kind trainierte ich manchmal in die Hose, besonders, wenn man mich von zu Hause wegschickte, um mir bei Großmutter ein paar Ohrfeigen abzuholen.
„Hier!“, sagte sie dann und lachte.
Großmutter lachte oft und mittlerweile lache ich auch wieder.
Außer an Donald Duck und diesen Flipper erinnere ich mich noch an unsre Nachbarin, aber das sagte ich schon.
Was ich noch nicht sagte, ist, dass es das ganze Wochenende über schön sein wird. Hochdruck auf der ganzen Welt, von Patagonien bis Nowosibirsk, ich schlage am Sonntag eine recht bunte Wochenendzeitung auf und lese die Schlagzeile: „Frau von Einbrechern geweckt!“, das klingt irgendwie nach „Gott sei Dank“, denn wer weiß, was passiert wäre, hätte man sie nicht geweckt: Termin verpasst, Arbeitslosengeld eingestellt, weder Milch noch Strom, Rückzahlungen unmöglich, Familiendiadem weg, Sozialfall, Amoklauf, 32 tote Kindergartenkinder in Hernals! Na Also, denke ich.

Dienstag, 19. April 2011

WAHRSCHEINLICH NICHT

Die Wunde des Trägers

Ach ja, wieder einmal so ein Wortspiel, ich liebe ja Wortspiele ohne gröbere Konsequenzen, so wie ich auch südbahnhofnahe Kreditaufnahmen in unmarkierten Dollar ohne jene gröberen Konsequenzen liebe, ich liebe überhaupt alles, was keine Konsequenzen mit sich bringt. Geburten sind da eine Ausnahme, doch Geburten bringen Schmerz und Schnupfen, Liebe und Nasenbluten mit sich, Regentage und unmengen an Klopapierverbrauch, sie bringen das ganze Leben mit sich, und den Moment, wenn man dahinter kommt, dass die zwei Menschen, die einen jahrelang angebrüllt haben, nicht die eigenen Eltern sondern Axel Rose und Charles Michael Kittridge Thompson IV alias Francis Black waren, denn die eigenen Eltern sind außer durch die immer selben Frisuren nicht wirklich aufgefallen. Manchmal gabs Zoff, manchmal war wochenlang nichts, der Fernseher in der Küche lief heiß, zu Essen gab es versalzene Sternschnuppen, draußen wurde der Nachbarsohn von der Müllabfuhr überfahren und niemand lachte. Das eigene Leben kommt einem meistens besoderns wichtig vor, obwohl es die Wenigsten zum Stationswart schaffen.
Vor einigen Jahren war ich in einem Hotel am Roten Meer und ein braunrotgebrannter Mensch brüllte die Frau an der Rezeption an, dass er nicht zum Spaß hier sei.
Ich nickte aus dem Hintergrund, denn richtig, wir alle sind nicht zum Spaß oder irgendeiner anderen Art des Profanzustands hier, Rotmeerrezeptionisten mögen da eine Ausnahme sein, denn die erleben die Existenz als den Urlaub anderer. Paradox genug!
Ich sehe das Leben als eine all-exlusive Urlaubsform von etwas, was ich noch nicht kenne, aber wirklich neugierig bin ich nicht. In dem Film Contact sagt ein Wissenschafter zu Jodie Foster, dass man ihr das schmerzlos wirkende Selbstmordmedikament nicht deswegen mitgibt, um den vorstellbaren Zwischenfällen sondern den unvorstellbaren vorzubeugen. Tolle Szene, denn sie gibt über unsre Immunsysteme und Geschmäcker aufschluss.
„Morgen werden wir ihnen ihren Sonnenschirm wieder reservieren“, sagte die Rezeptionistin damals.
„Morgen geht mein Rückflug“, antwortete der braunrotgebrannte Mensch.
In Wahrheit gibt es keine Rückflüge, dachte ich, doch ich sagte nichts; schmerzlos soll das Leben wirken, manchmal habe ich in der Unterbauchgegend Schmerzen, und ich weiß dann nicht, ob ich mich für Prostata- oder Magenkrebs entscheiden soll?
Die Konsquenz meiner Geburt ist unter anderem auch, dass ich gestern ein Freund traf, der mir erzählte, dass er am Liebsten niemals auf die Welt gekommen wäre.
„Warum?“, fragte ich.
„Ist nur mühsam“, antwortete er.
Wir saßen in einem kleinen dunklen Lokal im Zentrum der Hauptstadt, draußen schien die Sonne, drinnen spielte Keith Jarret sein Kölnkonzert, der Kellner tippte auf seinem Telefon herum, grinste und tippte weiter.
Wer nicht Stationswart wird, wird Immobilienmarkler, Krimineller oder Spaziergeher wie dieser französische Schriftsteller.
Eine andere Konsequenz sind schattige Gastgärten und Südhalbkugeln.
Ich verbrachte damals 6 Nächte am Roten Meer und zahlte bar mit Dollar.
Weitere Konsequenzen: Hitparaden, Kaffeesud, Sperrlinien, Verwandte, Blutergüsse, Sackgassen, Abendausgaben, Tanzschritte, Landeanflüge, Doppelmorde, Verabschiedungen, FKK-Strände, All You Can Eat Lokale, Klobesen und eine deutsch Firma namens Holst oder so ähnlich, die mir seit Jahren Briefe schreibt, in denen man mich zur Rückzahlung eines Kredits auffordert.
Wahrscheinlich!

Mittwoch, 13. April 2011

Kaiserfernsehen

Ich habe mir vorgenommen, ab heute nur noch AC/DC und die Quietsch Boys aus „Hallo Spencer“ zu hören, das hebt die Stimmung und ärgert die Spatzengroßfamilie, die jeden Morgen vor meinem Fenster ihre Etuden singt, ich habe mir auch vorgenommen, ab heute nur noch die 0-Nummer der Muskete zu lesen, und zwar von hinten nach vorne, damit ich mich am Ende nicht schon wieder über das schlechte K.K.-Fernsehprogramm ärgere. Da spielt es nämlich ab 9 Uhr die Serie „die Kutschen unsres Kaisers“, gefolgt von der Informationssendung „schließt alle Fenster und öffnet die Tür nur nach drei mal lang und zwei mal kurz Klopfen“, zu Mittag kommentiert Arthur Schnitzler die Realitätsshow „Austrias next Thronfolger“, in der die Protagonisten, wie zum Beispiel Rudolf und Franz Dingsbums, die Kronländer abfahren müssen, ohne erschossen zu werden, hinterher Sport mit Maximilian Salvator und so weiter.
Am Nachmittag gibt es unter der Moderation Koloman Mosers die politische Diskussionsrunde „legen wir die Waffeln nieder“. Die heutigen Gäste sind Sigmund Freud, Frau Langhans, ihr Mann Heinz, Stefan Zweig und Theodore Roosevelt. Die Themen sind „Nebenwirkungen sozialistischer Onanie“, „das Wetter von Gestern“ und „Tupperwareparties in Schloss Schönbrunn“.
„Ich meine was soll das“, sagt Sigmund Freud.
„Dem muss ich zustimmen“, sagt Frau Langhans.
„Da will ich jetzt mal unterbrechen“, meldet sich Stefan Zweig, „denn die eigentliche Frage müsste lauten, was soll das BITTE?“
„Wo ist hier eigentlich das Klo?“, fragt Theodore Roosevelt.
„Auch eine gute Frage“, sagt Frau Langhans.
„Ja, ja auch dieser brisanten Frage werden wir uns später noch zuwenden“, sagte Koloman Moser.
„Ich glaube es ist ernst“, sagt Heinz.
„Natürlich ist es ernst“, brüllt Koloman Moser plötzlich los und verpasst Sigmund Freud eine leichte Kopfnuss. Der beginnt zu weinen und kriecht unter den Dikussionstisch, wo er die restliche Sendezeit bleibt und sein verschollenes Werk „meine Mami und ihr Strumpfband“ schreibt, dannach läuft das beliebte Kinderprogramm „die Blendung mit dem Kraus“, später das Propaganda- und Gymnastikformat „mit Bomben und Spagaten“, an dessen Ende der Weiland persönlich Turnübungen vorführt und uns Untertanen zum „fröhlichen Mitmachen“ auffordert, anschließend „Kochen mit Sisi und Gästen“, heute mit einem Vorfahren Erwin Prölls, und um 22 Uhr der sozialkritische Dauerbrenner „Schirch und Arm“. Zum Kotzen!
Ich habe mir vorgenommen ab nächsten Morgen nur noch Gurkensalat und leicht gezuckerte SIM-Karten zu essen, so wie es mir meine Diätanalytikerin Dr. Handgreif emphfohlen hat, ich werde auch nur noch auf Nussbäume klettern, meine Kirchensteuer in Form von Kniebeugen und Altglas abbezahlen und Preise nur noch linkshändig entgegen nehmen. Mein letzter Preis war ja der niederdotierte Hoch-zu-Rotz-Tempo-Taschentücher-Publikumspreis, der jährlich und in finanzieller Kooperation mit Nasivin und meinen Eltern an besondere Hoffnungsträger aller Facon vergeben wird. Letztes Jahr war der Geehrte mein guter Freund B. H. vulgo Belmut Herger.
Darüber hinaus höre ich am 30. April mit dem Rauchen auf, das liegt im Trend und soll nicht ungesund sein. Es liegt auch im Trend auf alles zu scheißen und ohne Bremspedale die Großglocknerstraße hinauf zu radfahren (radln). Viele Dinge liegen mittlerweil im Trend: Frisuren zum Beispiel. Mein Haargel verspricht mir eine „Hairperformance“, so als würde mein Federvieh demnächst auf Weltournee gehen.
Nein! Ich bleibe zu Hause und meine Frisur auch.
Mein letztes Wort!

Dirk Stermann und andere Diebe

Die Rezeptmanager

Unser heutiger und erster Rezeptmanager heißt Lutz Unterstrich Uwe und lebt auf dem Land bei Untertullnerbach. Wir lieben sein Entree, und die Küche hat auch was von Klasse, das Wohnzimmer, unter nobel abgewetzten Banausen auch „Salon“ genannt, jedoch ist eine sogenannte Frechheit oder anders gesagt: eine Zumutung. Wir sind ja offen für Ausgefallenes und Rechtsdrehendes, wir sind auch offen für exzellente Ehefrauen und japanische Putzerfische, für Zitrusfrische, Naturvölker, Eiswürfelsäcke der Marke Alu Fix, die frühen Pixies und einen Champagner namens Krug Clos du Mesnil, aber das hier: nein, niemals!
Lutz Unterstrich Uwe, unser Held, hat eine Mirkowelle, was lustig ist, denn sein bester Nachbar heißt Mikro, und sammelt Nebensächliches aus der Epoche des Belle. Aber nicht wie Sie glauben.
Übrigens sind wir auch offen für Mülltrennung aller Art.
Vom Wohnzimmer aus blickt man auf die Hauptstraße der kleinen Stadt, da gibt es einige Geschäfte, darunter Hertas Blumenladen, eine Eisenhandlung, einen kleinen Supermarkt, in dem Pensionisten Montags 10 Prozent mehr zahlen dürfen, da ist ein leerstehendes Lokal, wo sich jeden ersten Freitag im Monat und unter Kuratierung K-Alb Schr´ aufstrebende Freiluftgenossen zu einer Mikadopartie treffen, wo man sich hinterher, und hier kommt endlich unser Rezeptmanager Lutz ins Spiel, bei Foit Gras und oben genannten Champagner über Goethes und Hitlers Werke austauscht und später die Hosen runter lässt um dem Ganzen ein gewisse Note zu geben.
Natürlich sind wir auch für Wolkenbrüche und Absatzmärkte offen.
Weiters bietet die Aussicht einen umwerfenden Blick auf die A1, jener europäischen Sehrschnellstraße, die unter anderem Wien mit Pressbaum verbindet, doch lässt man seine Ängste hinter sich und fährt und fährt, wie es unser Lutz manchmal tut, dann kommt man nach Paris oder Gmunden.
In Paris lässte es sich leben.
In Gmunden gibt es eine heruntergekommene Seepromenade und eine Thomas-Bernhard-Suite, in der wir einmal übernachteten.
„Das nächste Mal gibt es Eis“, schreit Lutz in die Freiluftrunde.
Heil-Rufe, es klingt wie „hedl“, was natürlich aus Karl Kraus´ „letzten Tagen der Menschheit“ gestohlen ist. Überhaupt fällt uns seit längerem auf, dass man auf geistiges Eigentum wenig wert legt, so lasen wir vor kurzem im Magazin „Wiener“ einen Text von Dirk Stermann, in dem er ohne so genannten Genierer die Worte „im Kriegsfall als Geisel verwendungsfähig“ gebrauchte. Erstens stammt das Zitat aus den70ern, zweitens ist es nicht mehr lustig. Wir hoffen, Dirk schämt sich, wir hoffen auch, dass man der Schlussredaktion den Kopf wäscht.



2. Tiel

Natürlich erwarte ich von einem Feinkostmitarbeiter des Bio Meran Sehrsupermarkts in der Kaiserstraße mehr an Freundlichkeit als von Cobra Agenten, die gerade eine Drogenbude einen Stock darüber stürmen, obwohl die Worte „Bio“ sowie „Cobra“ prinzipiell rein garnichts über Freundlichkeit aussagen, sonder nur darüber, wie hoch der Stressfaktor ist und wie eng die Dinge oft beeinander liegen. So zum Beispiel fuhr ich vorgestern im Taxi und hörte im Radio Bruckners letzte Symphonie, die der Komponist wohlwollenderweise dem „lieben Gott“ gewidmet hatte.
Anderes Beispiel: Im Haus gegenüber lebt eine Frau, die sich in der Nacht als Napoleon verkleidet und in dieser Montur 40 Liegestütz in ihrem hell erleuchteten Schlafzimmer macht, oder: „Rostbratwürstelspieß mit Pommes Frites und Salat Euro 8,70,-“
Ich lebe in einer Welt voller fragewürdiger Eindrücke und Tatsachen.
Eigentlich wäre ich gerne Dachdecker oder Fernfahrer, zu Hause stünde ein elektrischer Brunnen, es gäbe ein paar Menschen, die ich Familie nennen würde, es gäbe viel Musik und weißen Plüsch, eine Wiese, die talabwärts? liegt, das Tal würde Gewürztal heißen, nichts wäre weit, und der Greißler führte Gänseleber und hieße Maxi Waxi.
In Wahrheit bin ich Aufzugswart und lese Charles Bukowski, ich hab ein kurzes Bein und achte nur auf Linkskommende, manchmal Henry Miller, meine Urlaube verbringe ich in Spitzbergen, ich kaufe bei Meinl, parke um die Ecke, lebe zu eint, lache nie, schreibe zu acht, atme Luft, trinke zu oft, bete nach Mekka, denke kreuz, gehe quer, verlass mich auf mich, will keine Rechnung, liebe die Nacht, rufe nach Lust, gehe unter, spanne den Schrim, verwähle mich falsch und überhaupt.....

Montag, 11. April 2011

1. Tiel


Romana: Ramona?
Ramona: Na du?
Romana: Was ich?
Ramona: Keine Ahnung
Romana: Mein Mann hat schon wieder ins Waschbecken gepinkelt
Ramona: Tust du das nicht auch?
Romana: Nur im Zug, da graust mir so
Ramona: Vielleicht graust deinem Mann vor eurem Klo
Romana: Vielleicht hast du gar keinen Mann
Ramona: Oder vielleicht wäscht er sich im Klo die Hände, weil ihm vor dem Ins-Klo-Pinkeln so vorm Waschbecken gegraust hat
Romana: Telefonieren wir morgen noch mal
Ramaon: Ciao
Romana: Ciao



1. Tiel

Wer Petronell-Carnuntum kennt, der weiß, fährt man bei der zweiten Ampel links, den Hermann-Göring-Ring weiter über die Franz-Schubert-Donaubrücke in die nach dem germanischen König Arovist benannte Nordhälfte des Dorfs Arovist (die südliche heißt zu Ehren des letzten Dorftrottels Ostösterreichs Hans-Peter, der sich vor 72 Jahren mit dem ersten mitteleuropäischen Verlängerungskabel verwechselt hat unf naja), dort beim ersten Kreisverkehr gerade drüber –rechts steht das Marcus-Aurelius-Sprücheklopfergedenkhaus, weiter durch die Elmar-Oberhauser-Unterführung, rechts, rechts, gerade, vierte links, man zu einem Haus mit der Adresse Achtung-Achtung Nummer 23 kommt. Dieses Haus mag äußerlich unscheinbar, vielleicht sogar schlicht wirken, das Dach ist grau gedeckt, der ausgebleichte Putz der Wände bröckelt auf den Gehweg, aus einem Schornstein qualmt der ewig weiße Rauch der heiligen Einigung, die Fenster sind von außen vernagelt, die Tür jedoch ist für jedermann offen, denn hier in diesem schmucklosen Haus lebt Familie Alalalah-Schmid-Uff.
Man kann aber auch, will man sich das Mautgeld und die dadurch finanzierten Schlaglöcher sparen, über die Ukraine, Moldavien und Rumänien fahren, biegt bei der Tankstelle links ab und ist auch angekommen.
Der Vater der Familie Alalalah-Schmid-Uff heißt Franz.
Die Mutter Elefreide und Ralf.
Zum Essen gibt es Speck.
Morgen ist Dienstag.
Übermorgen auch.
In einem Zimmer hinter der Küche versteckt sich seit 24 Jahren Hugo Portisch, der bekannte Seismologe und Werbetexter, nicht, weil er auf der Flucht vor der SVA oder Heide Schimds Wurstfingern wäre, nein: Herr Hugo versteckt sich vor der Macht der Vorsehung.
Die Kinder heißen einerseits Stefan anderseits Stefanie und wurden in einem Wäschekorb hochgezogen.
(Ich selbst wurde von meiner Mutter oft kopfüber und mit den Worten „lach mal wieder“ in die Sandkiste gesteckt. Seit dem 26. April 1986 war der Spaß dann vorbei, und wir begannen durch Gasmasken zu essen. Außer Vater: der lebt von Dosenravioli.)
Vater Franz ist Prokorist der Firma „Firma“, eine Firma, die Firmen Firmen verkauft. Seine Tage sind lang und karg, Weihnachtsgeld gibts keins, dafür streicht man den Urlaub und vergräbt zu Ostern Staubwedeln.

Samstag, 2. April 2011

vanilleeis und ohrfeigen sowieso

Das wars mal für den Anfang.

Obwohl:
1. wenn ich zu lange mit der selben Frau rede, bekomme ich Durchfall. (Das war das lezte Mal vor ein paar Stunden, da kam mir dann dieser Film in den Sinn, in dem ein glattrasierter Mann ein Telefongespräch mit den Worten: "Also Morgen um 10" beendete. Das Interessante oder Kuriose daran war, dass keiner der beiden Gesprächspartner zuvor über irgendeinen sogenannten Meetingpoint gesprochen hatte.  Man traf sich dann trotzdem, und zwar an einem windigen Hafen, der typische 10-Uhr-Morgen-Hotspot, ein paar Möwen kreischten durch die Atmosphäre, und die beiden Herren tüfftelten dann an einem Überraschungsmordanschlag auf einen stadtbekannten Oberwasweißich. Die Wege trennten sich, der eine ging nach Hause, trank an einem Kaffee, und erzählte seiner Frau, dass "die Dinge wie geschmiert laufen"; vom anderen weiß ich bis heute nicht viel mehr, außer, dass der Schaupieler in einem anderen Film mit den Worten: "ich bin doch nicht verwundet" dahinschied.)
Gott sei Dank!

2.  wenn ich die Ubahn verpasse, stell ich mich schlafend.

3. Vernissage in der Galerie Harnstrang,  Gedränge, an den Wänden hängen die grob gemalten Porträts zukünftiger Diktatoren.
Frau1: gestern hab ich bla bla bla...
Frau2: echt?
Frau1: du hörst mir wiedermal überhaupt nicht zu
Frau2: doch, du hast gesagt: gestern hab ich bla bla bla...
Frau1: also gestern hab ich diesen Typen getroffen, den mit der Frisur und dem Motorad..
Frau2: Motorrad mit 2 R bitteschön, Porsche?
Mann1: Porsche?
Frau1: Motorrad!
Mann1: meine Frau hat einen Porsche
Mann2: mein Mann auch.
Galerist: also wie schauts aus?
Mann1: schlecht, gibt es noch einen Wein?
Mann2: aus den 80er Jahren
Frau2: was?
Irgendeiner1:....dann werfen wir 20 Künstler in so eine Grube in Chile oder Österreich, wurscht, Knäckebrot und Wasser hinterher, Malfarbe und Zeug, machen oben zu und warten..
Frau2: Porsche?
Irgendeiner2: ich bin ja neugierig, den Wurm, den West und 18 andere mit W
Frau1: Wang Hui, Wang Wei, Wang Shi-Min, nein, es war ein Motorad
Frau2: Motorrad mit 2 R bitteschön
Irgendeiner1: Wu Li, Wu Wei
Galerist: Geh bitte
Irgendeiner2: Hui Wui
Mann1: also, gibt es noch Wein, oder muss ich in die Galerie Ströck
Künstler: heute in der früh bin ich aufgewacht und hab dann..
Galerist: Gusch!
Irgendeiner1: fehlen noch 13
Irgendeiner2: ich glaub der Hui Wui ist überhaupt kein Künstler
Irgendeiner1: na und, der Wurm auch nicht
Auskenner1: man spürt den Gravitationseffekt einer langen und intensiven Auseinandesetzungsneurose mit dem Thema Vanilleeis und Ohrfeigen
Auskenner2: sowieso
Frau1: wir sind dann mit demMotoRRad die Höhenstraße hinunter
Frau2: Höhenstraße hinunter
Künstler: ...und hab dann ziemlich lange in die Klomuschel geschaut, hab alle 5 Minunten ein Stück Brot hinein geschmissen, heruntergelassen und hab das ganze mit einer Wegwerfkamera fotografiert...
Irgendeiner: sag mal, beginnt dein Name auch mit W?
Auskenner1: der Abstand zum Ende wird immer kürzer
Auskenner2: und am Ende steht die Wand, an die der Chryslerchef mit dem neuesten Model des Chrysler Voyager kracht
Mann1: Porsche?
Galerist: interessant
Frau2: ja und dann?
Frau1: Liptauerbrot im Zimmermann, der Typ hat versucht das Brot durch sein Helmvisier zu essen
Frau2: und den Wein?
Frau1: Traubensaft
Mann1: ich geh jetzt in die Galerie Ströck
Künstler: ich hab dann auch fotografiert, wie der Installateur mit dem Mann von den Wasserwerken zu streiten angefangen hat...
Galerist: ich hab gesagt gusch
Irgendeiner1: so 4 bis 5 Monate, dann machen wir wieder auf...
Irgendeiner2: Dirk Wachsmuth, hihi
Mann2: späte 80er Jahre
Frau1: Frechheit
Mann1: Ciao
Igendeiner1: ..schütten das Ganze mit Zement zu und verkaufen den Grubeninhalt an die Stiftung Warentest
Franzose: gud eidi