Montag, 16. Mai 2011

lange Rede gar kein Sinn

Vor ein paar Tagen war ich auf einer sogenannten Kunstmesse. Seitdem habe ich Durchfall und schon wieder ist Montag. Die Zeit vergeht eben, oder wie man auf indisch sagt: „Times are changing Mister!“. Ein paar Tage später flog ich nach Mumbai, um das Gegenteil festzustellen. Das Schlüsselwort ist „Durchfall“. Sonst gibt es wenig Neues.
Ach ja: viel interessanter als Kunst sind die Menschen, die fragend davor stehen, da läuft eine Uhr rückwärts, ein Zivilist schießt in Friedenszeiten einem Soldaten in den Kopf, das Blut läuft mir aus der Nase, ich habe Schweißfüße am Kopf und Schuppen auf den Füßen, meine Haut atmet.
Und nicht nur vergeht die Zeit, auch vergeht mir beim Essen der Hunger, der 2er fährt nach irgendwo und unsere Welt verändert sich:
Abgesehen vom Klimawandel nämlich ist mein Klo seit letztens verstopf, schon längst fliegt man um 44 Euro plus Kleingedrucktem nach London, Paris oder Rom, und die Krone wurde durch den Schilling ersetzt. Was will man mehr? Ich will meistens mehr Senf zu meinen Frankfurtern, ich will auch meistens mehr Frankfurter zu meinem Senf. Mein persönliches Ziel ist ein politisches Zwischensystem aus Schmelzkäsekapitalismus und Brandrodung, auch wenn der Kapitalist an sich eher der Kaste „Kanaldeckel“ angehört und mit kurzen Socken und totem Gierblick zwischen Hoher Markt und Graben pendelt. Sein Anzug heißt Armani oder Hugo Boss, seine Uhr fast Rolex, das Auto SUV, die Frau Sabine und die Affäre auch. Da lob ich mir den pakistanischen Zeitungsverkäufer unten an der Ecke, der mit strahlenden Augen seine Familie mit Kleingeld ernährt, obwohl auch dessen Affäre Sabine heißt.
Nein, ich nehme alles zurück, denn egal ob jemand im Goldenen Kreuz oder über Lampedusa unsere sogenannte bessere Welt betreten hat, möchte ich mich vor dem Wesen Mensch verbeugen.
Gratuliere Cici Bekali! Du lebst als Legende weiter, du hast es geschafft.
Apropos Cici Bekali, nach Bukarest fährt man am besten mit dem Faltboot bis Budapest, steigt dort ins Taxi, zwischenstoppt in Belgrad, isst im Restaurant Stari die Grillspeise Pljeskavica, lässt sich von den Serben ignorieren und übernachtet in Bukarest im Hotel Astoria, gleich beim Bahnhof, wo BP die Kinder mit Super Plus versorgt.
Witzig, oder?
Auch witzig find ich das Wort „Gasgerätekundenservice“, was ich im Rückspiegel am Kühler eines Kleinlieferwagens gelesen habe: „ecivresnednuketäregsaG“, auf dem Auto vor mir stand das Wort: „ieziloP“. Einbahn!
Ich habe ja ein spezielles Verhältnis zu netsiziloP, besonders zu jenen, die mir gemeinsam mit nerurllortnokniehcsrhaF entgegentreten und sagen: „siewsuA“.
„nessegreV!“, antworte ich.
Die Kunstmesse wurde damals im Messepalast ausgestrahlt, mein Klopapier ist vierlagig und mein Rückflug nach Wien geht morgen. Wer bessere Probleme hat, melde sich bitte.

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