Montag, 11. April 2011

1. Tiel


Romana: Ramona?
Ramona: Na du?
Romana: Was ich?
Ramona: Keine Ahnung
Romana: Mein Mann hat schon wieder ins Waschbecken gepinkelt
Ramona: Tust du das nicht auch?
Romana: Nur im Zug, da graust mir so
Ramona: Vielleicht graust deinem Mann vor eurem Klo
Romana: Vielleicht hast du gar keinen Mann
Ramona: Oder vielleicht wäscht er sich im Klo die Hände, weil ihm vor dem Ins-Klo-Pinkeln so vorm Waschbecken gegraust hat
Romana: Telefonieren wir morgen noch mal
Ramaon: Ciao
Romana: Ciao



1. Tiel

Wer Petronell-Carnuntum kennt, der weiß, fährt man bei der zweiten Ampel links, den Hermann-Göring-Ring weiter über die Franz-Schubert-Donaubrücke in die nach dem germanischen König Arovist benannte Nordhälfte des Dorfs Arovist (die südliche heißt zu Ehren des letzten Dorftrottels Ostösterreichs Hans-Peter, der sich vor 72 Jahren mit dem ersten mitteleuropäischen Verlängerungskabel verwechselt hat unf naja), dort beim ersten Kreisverkehr gerade drüber –rechts steht das Marcus-Aurelius-Sprücheklopfergedenkhaus, weiter durch die Elmar-Oberhauser-Unterführung, rechts, rechts, gerade, vierte links, man zu einem Haus mit der Adresse Achtung-Achtung Nummer 23 kommt. Dieses Haus mag äußerlich unscheinbar, vielleicht sogar schlicht wirken, das Dach ist grau gedeckt, der ausgebleichte Putz der Wände bröckelt auf den Gehweg, aus einem Schornstein qualmt der ewig weiße Rauch der heiligen Einigung, die Fenster sind von außen vernagelt, die Tür jedoch ist für jedermann offen, denn hier in diesem schmucklosen Haus lebt Familie Alalalah-Schmid-Uff.
Man kann aber auch, will man sich das Mautgeld und die dadurch finanzierten Schlaglöcher sparen, über die Ukraine, Moldavien und Rumänien fahren, biegt bei der Tankstelle links ab und ist auch angekommen.
Der Vater der Familie Alalalah-Schmid-Uff heißt Franz.
Die Mutter Elefreide und Ralf.
Zum Essen gibt es Speck.
Morgen ist Dienstag.
Übermorgen auch.
In einem Zimmer hinter der Küche versteckt sich seit 24 Jahren Hugo Portisch, der bekannte Seismologe und Werbetexter, nicht, weil er auf der Flucht vor der SVA oder Heide Schimds Wurstfingern wäre, nein: Herr Hugo versteckt sich vor der Macht der Vorsehung.
Die Kinder heißen einerseits Stefan anderseits Stefanie und wurden in einem Wäschekorb hochgezogen.
(Ich selbst wurde von meiner Mutter oft kopfüber und mit den Worten „lach mal wieder“ in die Sandkiste gesteckt. Seit dem 26. April 1986 war der Spaß dann vorbei, und wir begannen durch Gasmasken zu essen. Außer Vater: der lebt von Dosenravioli.)
Vater Franz ist Prokorist der Firma „Firma“, eine Firma, die Firmen Firmen verkauft. Seine Tage sind lang und karg, Weihnachtsgeld gibts keins, dafür streicht man den Urlaub und vergräbt zu Ostern Staubwedeln.

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