Die Rezeptmanager
Unser heutiger und erster Rezeptmanager heißt Lutz Unterstrich Uwe und lebt auf dem Land bei Untertullnerbach. Wir lieben sein Entree, und die Küche hat auch was von Klasse, das Wohnzimmer, unter nobel abgewetzten Banausen auch „Salon“ genannt, jedoch ist eine sogenannte Frechheit oder anders gesagt: eine Zumutung. Wir sind ja offen für Ausgefallenes und Rechtsdrehendes, wir sind auch offen für exzellente Ehefrauen und japanische Putzerfische, für Zitrusfrische, Naturvölker, Eiswürfelsäcke der Marke Alu Fix, die frühen Pixies und einen Champagner namens Krug Clos du Mesnil, aber das hier: nein, niemals!
Lutz Unterstrich Uwe, unser Held, hat eine Mirkowelle, was lustig ist, denn sein bester Nachbar heißt Mikro, und sammelt Nebensächliches aus der Epoche des Belle. Aber nicht wie Sie glauben.
Übrigens sind wir auch offen für Mülltrennung aller Art.
Vom Wohnzimmer aus blickt man auf die Hauptstraße der kleinen Stadt, da gibt es einige Geschäfte, darunter Hertas Blumenladen, eine Eisenhandlung, einen kleinen Supermarkt, in dem Pensionisten Montags 10 Prozent mehr zahlen dürfen, da ist ein leerstehendes Lokal, wo sich jeden ersten Freitag im Monat und unter Kuratierung K-Alb Schr´ aufstrebende Freiluftgenossen zu einer Mikadopartie treffen, wo man sich hinterher, und hier kommt endlich unser Rezeptmanager Lutz ins Spiel, bei Foit Gras und oben genannten Champagner über Goethes und Hitlers Werke austauscht und später die Hosen runter lässt um dem Ganzen ein gewisse Note zu geben.
Natürlich sind wir auch für Wolkenbrüche und Absatzmärkte offen.
Weiters bietet die Aussicht einen umwerfenden Blick auf die A1, jener europäischen Sehrschnellstraße, die unter anderem Wien mit Pressbaum verbindet, doch lässt man seine Ängste hinter sich und fährt und fährt, wie es unser Lutz manchmal tut, dann kommt man nach Paris oder Gmunden.
In Paris lässte es sich leben.
In Gmunden gibt es eine heruntergekommene Seepromenade und eine Thomas-Bernhard-Suite, in der wir einmal übernachteten.
„Das nächste Mal gibt es Eis“, schreit Lutz in die Freiluftrunde.
Heil-Rufe, es klingt wie „hedl“, was natürlich aus Karl Kraus´ „letzten Tagen der Menschheit“ gestohlen ist. Überhaupt fällt uns seit längerem auf, dass man auf geistiges Eigentum wenig wert legt, so lasen wir vor kurzem im Magazin „Wiener“ einen Text von Dirk Stermann, in dem er ohne so genannten Genierer die Worte „im Kriegsfall als Geisel verwendungsfähig“ gebrauchte. Erstens stammt das Zitat aus den70ern, zweitens ist es nicht mehr lustig. Wir hoffen, Dirk schämt sich, wir hoffen auch, dass man der Schlussredaktion den Kopf wäscht.
2. Tiel
Natürlich erwarte ich von einem Feinkostmitarbeiter des Bio Meran Sehrsupermarkts in der Kaiserstraße mehr an Freundlichkeit als von Cobra Agenten, die gerade eine Drogenbude einen Stock darüber stürmen, obwohl die Worte „Bio“ sowie „Cobra“ prinzipiell rein garnichts über Freundlichkeit aussagen, sonder nur darüber, wie hoch der Stressfaktor ist und wie eng die Dinge oft beeinander liegen. So zum Beispiel fuhr ich vorgestern im Taxi und hörte im Radio Bruckners letzte Symphonie, die der Komponist wohlwollenderweise dem „lieben Gott“ gewidmet hatte.
Anderes Beispiel: Im Haus gegenüber lebt eine Frau, die sich in der Nacht als Napoleon verkleidet und in dieser Montur 40 Liegestütz in ihrem hell erleuchteten Schlafzimmer macht, oder: „Rostbratwürstelspieß mit Pommes Frites und Salat Euro 8,70,-“
Ich lebe in einer Welt voller fragewürdiger Eindrücke und Tatsachen.
Eigentlich wäre ich gerne Dachdecker oder Fernfahrer, zu Hause stünde ein elektrischer Brunnen, es gäbe ein paar Menschen, die ich Familie nennen würde, es gäbe viel Musik und weißen Plüsch, eine Wiese, die talabwärts? liegt, das Tal würde Gewürztal heißen, nichts wäre weit, und der Greißler führte Gänseleber und hieße Maxi Waxi.
In Wahrheit bin ich Aufzugswart und lese Charles Bukowski, ich hab ein kurzes Bein und achte nur auf Linkskommende, manchmal Henry Miller, meine Urlaube verbringe ich in Spitzbergen, ich kaufe bei Meinl, parke um die Ecke, lebe zu eint, lache nie, schreibe zu acht, atme Luft, trinke zu oft, bete nach Mekka, denke kreuz, gehe quer, verlass mich auf mich, will keine Rechnung, liebe die Nacht, rufe nach Lust, gehe unter, spanne den Schrim, verwähle mich falsch und überhaupt.....
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