Mittlerweile habe ich 8 regelmäßige, eingetragene Leser, darunter finden sich meine Schwester (danke), meine Freundin (danke auch), ich selbst (besonderen Dank), zwei Bekannte (vielen Dank) und drei Fremde (vielen, vielen Dank), wenn ich richtig gerechnet habe. Ich stehe unter Druck und muss etwas bieten, hier also:
Draußen ist die Welt, das ist mir bei einem kurzen Blick vorgestern aus dem Fenster schon aufgefallen. Es ist nämlich so, dass ich erst durchs Tun tue, ich denke durchs Denken und fühle durchs Fühlen, ich esse Maroni und gehe lachend in den Dachboden. Natürlich ist die Welt mitunter hier drinnen, nur gehen mir langsam die Getränke aus, der Blick nach draußen reicht wohl nicht, das dämmert mir, denn ich durste noch immer. Was nun?
Vor meiner Tür steht Herr K. und vor den drei bis fünf Notausgängen der Dämon der Grube! Ich habe auf einem Weinetikett den vielleicht beabsichtigten Schreibfehler „Dämonie Wachau“ gelesen, aber auch diese Flasche ist schon weg.
Also Zerberus!
Durch mein Fenster schaue ich direkt in eine gegenüberliegende Wohnungen, manchmal steht da ein südländischer Typ nackt in seiner Küche und kreist mit seinem Zeigefinger an seiner Schläfe herum. Eindeutig!
Das Einzige, was mir dazu einfällt, sind die Wörter: „Lachsbrot“ und „Ei“, obwohl ich nicht ganz sicher bin, was ich eher auf eine einsame Insel mitnehmen würde? Auf einsame Inseln nehmen Menschen gerne dicke und sehr gescheite Bücher mit, wie zum Beispiel die Betriebsanleitung einer Miele Waschmaschine oder eines Teilchenbeschleunigers der Marke Cern. (Seit Monaten keine Nachricht aus der Schweiz.)
Mittlerweile soll es schon Sekundärliteratur zu IKEA-Explosionsbildern geben (inseltauglich!). Außer einem Buch empfehlen die Befragten ein Taschenmesser, einen Lebensgefährten und einen Gartenschlauch mit Spritzdüse. Mir persönlich fällt dazu nichts Besonderes ein. Vielleicht billiges in Plastiknetzten verpacktes Sandspielzeug, solches nämlich, das man Kindern im Urlaub auf das Lacoste Handtuch wirft und sagt: „Mach mal, ich sitz dort drüben in der Unterwasserbar“.
Ich gehe nämlich davon aus, dass die Menschen, die uns mit dieser Inselfrage löchern und belästigen, gleich um die Ecke in einer All-Inclusive-Bude rumlungern und die blöd vor sich hin Lesenden und an Palmen Rüttellenden mit versteckten Kameras einfangen und das Ganze an Servus-TV verkaufen. Im letzten Moment wird man dann wiederbelebt und bekommt eine Einladung zur Romy Gala in die Hand gedrückt. Ich bleibe wie üblich gelassen, mein bester Freund heißt Wilson und auf meiner Einkaufsliste stehen „Wasser“ und „Plutonium“, und auch hier und diesmal bleibt die Frage offen.
Da fällt mir ein, dass eine Angel- und eine Wünschelrute recht inselangebracht wären. Hauptsache Ruten, obwohl ich das Wort Rute hässlich finde, genauso wie die Wörter Hangar, Carozza, Ragazza und Blumentopf.
Themawechsel: In meinem Kopf höre ich die Stimmen von Hiob über Nostradamus bis Kurt Cobain, das kann nicht gesund sein, außerdem hat nur der Letzte einen Vornamen, und zu allem Überfluss ruft mich meine Mutter jeden Tag per Joghurttelefon an und fragt mich, ob ich auch genug Stäpfel essen würde, als hätte ich nicht genug zu tun.
„Ja! Und nicht nur Stäpfel sondern auch Krotraut“, antworte ich wie aus der Pistole geschossen.
In Wahrheit ist die Verbindung meistens schlecht, wir wohnen in verschiedenen Zimmern, und wahrscheinlich sagt sie nicht Stäpfel sondern Äpfel, und natürlich meine ich Leberknödel und nicht Krotraut.
Halten wir also fest:
1. die Zeit vergeht
2. die Welt verändert sich
3. Hangar ist ein hässliches Wort
4. die Köder nicht vergessen, folglich: Angelrute, Wünschelrute und Köder
5. Einer geht Eis essen der Anderer auf die Mariahilferstraße
6. und letztens war ich wieder einmal im chinesischen Lokal unten am Eck, in dessen Auslage rotbraun bepinselte und aufgeblähte Plastikhühner hängen, in der Speisekarte steht etwas von Sushi, Kebab, Pizza und Schnitzel, ich bestelle ein Mineral.
Wortwitz und Intelligenz sehr sehr schön verpackt :)
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