Ich bin immer ein wenig irritiert, wenn ich beim
Ströck oder Mann (der verhöhnt) gefragt werde, ob ich denn schon die neuen
Nussschnecken oder Vanillecroissants kennen würde.
„Ich kenn noch nicht mal die Alten“, antworte ich
amüsiert und verärgert gleichzeitig, denn nichts verletzt meinen Stolz mehr,
als wenn man mich als Dauerbäckereikunde behandelt, der stets nach der neuesten
Ofenerrungenschaft aus ist und gierig in die Vitrinen starrt.
Ich will Brot.
Immer!
Bäckereien sind in meinen Augen an sich schon Unorte
des neoeuropäischen Alltags. Da braucht es nicht noch eine neue Nussschnecke
oben drauf.
„Und was ist daran neu?“, frage ich dann doch.
„Naja“, antwortet die Dame hinter der Vitrine, „die sind
halt jetzt neu“.
Aha, denke ich.
„Und der ganze Rest?“, frage ich weiter und zeige über
die Produkte.
Die Dame zuckt mit den Schultern und wendet sich ab.
Wo sie Recht hat, hat sie Recht.
Richtig schlimm wird es in der Josephs Bäckerei in der
Naglergasse, wo die Menschen so verzweifelt überheblich anstehen, als würden
sie statt einem 10 Euro Brotlaib im nächsten Moment, unter stehenden Ovationen
und einigen Tränen den Ehren Oscar für ihr Lebenswerk überreicht bekommen.
„Ich bedanke mich bei meinen Kindern, die so tapfer
hinter mir gestanden sind (stehen wirklich in der Schlange dahinter), bei meinem
Mann, der mit unsrem treuen Hund Ralfi rauchend vor der Tür auf mich wartet. Ich bedanke
mich bei meinen Eltern, die mich zum brav Schlange Stehen erzogen haben und bei
meinem Bäcker, der mich jeden Tag aufs neue mit einem Brotlaib um 10 Euro bescheißt!“
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