Geht es um Ferien oder Urlaub verwandle ich mich
augenblickliche wieder in den Philipp meiner späten Schulzeit. Schon Anfang Juni
beginne ich die Dinge schleifen zu lassen und schwänze konsequent ab Donnerstag
jede Verpflichtung. Komme ich ohne Vorbereitung, ohne Unterlagen und schlüssigerweise
verspätet zu einem Termin, murmle ich: „tschuigung, verschlafen!“, zeige alle
fünf Minuten auf und sage: „muss aufs Klo“, um dann irgendwo heimlich Eine zu
rauchen und irgendjemanden zu verprügeln, der schwächer aussieht als ich.
Überhaupt habe ich seit meiner Matura das Gefühl, dass
ich bis zu diesem Tag erfolgreich und unertappt der Schule fern geblieben bin.
Nicht mal meine Eltern haben einen Schimmer. Wie auch? Seit Anbeginn meiner
Erinnerung fälschen meine Familienmitglieder und ich, bis hinauf zu den
Großeltern untereinander die Unterschriften, um uns möglichst abgesichert aus
der Affäre zu ziehen. Nur an Sprechtagen kommen wir alle zusammen, fallen
empört aus allen Wolken und schicken uns gegenseitig auf Lerncamps in die
Steiermark.
Vor circa 20 Jahren hatte ich einen Art Ferienjob bei
einem Monatsmagazin. Nach einer Woche hatte ich die Nase voll, sagte, dass ich
auf Mittagspause gehen würde und kam nie mehr wieder. Noch immer bin ich in
aller Munde.
Fragt dort der eine Journalist, wo denn Philipp sei,
antwortet der andere Journalist: „der ist auf Mittagspause!“
Ich bin also nicht nur bis heute erfolgreich der
Schule ferngeblieben, ich bin zusätzlich auch noch auf Mittagspause und verabschiede
ich mich bei Menschen, dann ausschließlich mit: „wir sehen uns im September!“
Und sollte es bis September in meinem Leben zu
irgendwelchen schwerwiegenden Komplikationen kommen, dann verwandle ich mich überhaupt
gleich in den Philipp aus meiner Kindergartenzeit, weise jede Verantwortung von
mir, zieh mich in die Bastelecke zurück und mach in die Hose.
Meine Frau ist sehr stolz auf mich.
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