Donnerstag, 21. Mai 2015

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Ich hab mir das Leben von meinem Spiegelbild abgeschaut. Das ist in meinen Augen ein interessanter Gedanke, den ich ein andermal vertiefen werde, und der auf jeden Fall einen Menschen namens Anna S. beinhaltet.
Heute nämlich will ich mich der christlichen Idee des Teilens auf Facebook widmen.
Das Wort „Teilen“ birgt ja von sich aus schon eine Geste der selbstlosen Großzügigkeit, des im besten Fall horizontalen Gebens, auch wenn der gegebene Teil oft nur aus einer nichtssagenden Statusmeldung, wie einem Urlaubsfoto aus Kroatien samt „nach 12 Stunden Autofahrt endlich angekommen“ Kommentar besteht.
Ich stelle mir Jesus Christus vor, wie er statt Brot und Fisch, Statusmeldungen an die 5000 Menschen verteilt, die sich da um ihn versammelt haben.
Hallo an alle TierliebhaberInnen!
Wir haben seit zwei Wochen ungarische Zwerghamsterbabys, die in 2-3 Wochen abzugeben wären.
Die Eltern sind grau/weiß, die Kleinen dürften ihnen nachgeraten.
...“
Oder:
„in einer Beziehung mit Maria Magdalena“
Oder:
„Ich bin soooooo verzweifelt. Ich habe dummerweise mein Handy im Klo versenkt. Bin nur noch über FB erreichbar“
Dazu ein paar skandalösen Videos von klavierspielenden Wunderkindern aus Nordkorea, Ölteppichen vor Mexiko und einer geschlagenen, ausgehungerter Katze.
Zwölf Likes bekommt Jesus auf jeden Fall immer.

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