Montag, 25. Mai 2015

Geheimtipp Figlmüller (Achtung Ironie)


In einer Welt der hysterischen Verbindlichkeiten frage ich mich schon, ob ich ein Xenophob wäre, würde ich zu Ausländern besonders freundlich sein, oder ein Chauvinist, wäre ich speziell zuvorkommend gegenüber Frauen? Die Frage stellt sich mir auch bei Behinderte, Juden, siamesischen Zwillingen, Albinos, Homosexuellen, Austrianern und Zigeunern, wobei sich bei Letzteren zusätzlich noch das Problem ergeben würden, unter welche Vertretung der politischen Unkorrektheit ich fallen würde, wäre ich zu Romas freundlicher als zu Sintis.
Um all das zu Umgehen bin ich schlicht und ergreifend zu jedem menschlichen Wesen, ob über das Goldene Kreuz oder den Stacheldraht in unsre Welt getreten, gleich beschissen.
Das fällt mir leicht und ist gerecht.
Ich erinnere mich an die Zeiten, in denen ich beim Taxifunk anrufen und ein Inländer-, Rauchertaxi bestellen konnte, um dann auf dem Weg von der Oper zum Naschmarkt und zurück rauchend und bei geschlossenen Fenstern über den sogenannten Immigranten herzuziehen.
Diese Zeiten sind vorbei, und mittlerweile kann ich guten Gewissens bei geöffneten Fenstern mit Türken oder Ägyptern über Inländer lästern. Anzumerken ist diesbezüglich, dass Inländer bei Ausländern um einiges beliebter sind, als Ausländer bei Inländern.
Vor einigen Tagen war ich Zeuge eines exemplarischen Schauspiels österreichischer Schizophrenie:
In der Nähe des Michaelerplatzes kam es zu folgender Szene:
Eine Fiakerin lenkte ihre Kutsche samt vier deutscher Touristen über die Herrengasse, als zwei schlicht gekleidete rumänische Bettler vor die Pferde sprangen. Infolgedessen kames  zu einigen unschönen Worten zwischen der Kutschenführerin und den Almosenantragstellern, und die Szene endete damit, dass die Fiakerin die zwei mit den Worten bedachte: „Ausländer raus aus Österreich!“
Die Touristen fotografierten weiter, wandten sich dann an die Frau und fragten in einem bellenden norddeutschen Akzent: „wo kann man hier denn so Essen gehen?“
Die Frau antwortete grinsend: „Geheimtipp: Figlmüller!“

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