In einer Welt der hysterischen Verbindlichkeiten frage
ich mich schon, ob ich ein Xenophob wäre, würde ich zu Ausländern besonders
freundlich sein, oder ein Chauvinist, wäre ich speziell zuvorkommend gegenüber
Frauen? Die Frage stellt sich mir auch bei Behinderte, Juden, siamesischen
Zwillingen, Albinos, Homosexuellen, Austrianern und Zigeunern, wobei sich bei Letzteren
zusätzlich noch das Problem ergeben würden, unter welche Vertretung der
politischen Unkorrektheit ich fallen würde, wäre ich zu Romas freundlicher als
zu Sintis.
Um all das zu Umgehen bin ich schlicht und ergreifend
zu jedem menschlichen Wesen, ob über das Goldene Kreuz oder den Stacheldraht in
unsre Welt getreten, gleich beschissen.
Das fällt mir leicht und ist gerecht.
Ich erinnere mich an die Zeiten, in denen ich beim
Taxifunk anrufen und ein Inländer-, Rauchertaxi bestellen konnte, um dann
auf dem Weg von der Oper zum Naschmarkt und zurück rauchend und bei geschlossenen
Fenstern über den sogenannten Immigranten herzuziehen.
Diese Zeiten sind vorbei, und mittlerweile kann ich
guten Gewissens bei geöffneten Fenstern mit Türken oder Ägyptern über Inländer
lästern. Anzumerken ist diesbezüglich, dass Inländer bei Ausländern um einiges
beliebter sind, als Ausländer bei Inländern.
Vor einigen Tagen war ich Zeuge eines exemplarischen
Schauspiels österreichischer Schizophrenie:
In der Nähe des Michaelerplatzes kam es zu folgender
Szene:
Eine Fiakerin lenkte ihre Kutsche samt vier deutscher Touristen über die
Herrengasse, als zwei schlicht gekleidete rumänische Bettler vor die Pferde
sprangen. Infolgedessen kames zu einigen unschönen Worten zwischen der Kutschenführerin und
den Almosenantragstellern, und die Szene endete damit, dass die Fiakerin die zwei mit den
Worten bedachte: „Ausländer raus aus Österreich!“
Die Touristen fotografierten weiter, wandten sich dann
an die Frau und fragten in einem bellenden norddeutschen Akzent: „wo kann man
hier denn so Essen gehen?“
Die Frau antwortete grinsend: „Geheimtipp:
Figlmüller!“
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