Samstag, 23. Mai 2015

Für Anna S.


Ich bin ja ein großer Fan dieser Fernsehshows, in denen ganze Länder auf der Suche nach irgendwelchen Superstars sind.
Was wie eine hysterische Celebrity Variante des einstigen Erfolgsformats Aktenzeichen X/Y klingt, ist –für alle, die keinen Schimmer haben- in Wahrheit das solange Aussieben von übermotivierten Kindern und unterbelichteten Erwachsenen unter Teilchenbeschleunigerbedingungen, bis am Ende ein Häufchen Elend namens Sieger überbeleibt, das gerade noch „Oh Gott“ und „Weltfrieden“ murmeln kann, bevor es samt Privatsenderlogo auf der Stirn von der Bühne Richtung Dschungelcamp verschifft wird.
Das ist natürlich schwer verallgemeinert und leicht ironisch, birgt aber insofern eine Wahrheit, dass die Teilnehmer andernfalls das Niveau ihrer eigenen Jury und ihres Publikums sprengen würden.
Wäre ich Intendant eines Fernsehsenders, würde ich die Idee dieses alle Beteiligten umfassenden Erniedrigungsspektakels auf die nächste Ebene schmettern und eine Show in die Welt setzen, die auf der Suche nach dem normalsten Menschen eines Landes wäre und den Namen „Extra Medium“ tragen würde.
Der Witz daran wäre, dass jeder im Handumdrehen aus der Show fliegt, der nur den kleinsten Muckser in Richtung Andersartigkeit macht. Wörter wie „ich“, „Zukunft“ und „wollen“ sind verboten und alle Beteiligten tragen den gleichen, grauen Overall mit der Aufschrift „normal, aber dennoch nicht allein“.
Und nun zu Anna S., der dieser Post gewidmet ist, deren Beitrag zu diesem Text es war, dass ich sie sehr mag und mich trotz ihrer Abwesenheit gerade zwingt, diese wahren Worte an sie zu sprechen.
Ich habe keine Ahnung wo sie ist, vermute aber, dass sie entweder ihr Borderline Auto zwischen der alten Nutte Wien und der jüngeren Nutte Gallbrunn spazieren fährt, oder zu Hause, vor ihrer eigenen Katze sicher versteckt, die Beine hochgelagert an das Leben denkt. An dieses unberechenbare, großartige, warme, unerklärliche und wunderbare Leben.
I salute you!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen