Donnerstag, 21. Mai 2015

DER ZYNISMUS DER GLEICHZEITIGKEIT


Die Welt ist mir ein grausames Rätsel, weil einerseits Feinkostabteilung, andererseits Atombombe.
Keine Ahnung, wo man sich da hinwenden soll?
Einerseits Schlüsseldienst für 170 Euro um 4 Uhr früh, weil man den Wohnungsschlüssel am Damen WC  des Hotel Imperial betrunken und absichtlich versenkt hat, andererseits hunderttausend, sehr ernüchterte Syrer auf der Flucht.
Einerseits Krug Champagner Jahrgang 1996, andererseits Black Ops über dem Hindukusch.
Einerseits blöd zwischen Herrengasse und Stephansplatz beim Schwarzfahren erwischt, andererseits blöd beim Sightseeing zwischen Palmyra und Aricha von der IS erwischt.
Einerseits Fett weg, andererseits Nase ab.
Dem Elend und der Brutalität mit immer lächerlicherem Luxus entkommen,
HD-Enthauptungen mit der 3 Brille folgen, die Qualität auf beiden Seiten hochschrauben, ihr Tod, wir Austern am Naschmarkt. Ihr Gusch!, wir Uniqua Sonderklasse.
Hier Grüne Alternative, dort Boko Haram.
Hier großartig Blog-Schreiben, dort nicht so großartig am falschen Breitengrad geboren werden und den Blog nicht lesen können.
Höre ich jemanden eine schwangere Frau fragen, was es denn werde, denke ich automatisch „hoffentlich ein Kind!“
„Wir lassen uns überraschen!“, höre ich manchmal als Antwort.
Ja lassen wir uns einfach überraschen, schauen wir mal, was so passiert.
Es könnte regnen. Es könnte auch nicht regnen.
Die Wettervorhersagen sind ja nicht immer so genau.
Für alle Fälle nehme ich heute den Regenschirm mit und  werde zugeben, dass sich mein schlechtes Gewissen momentan auf das fehlende Klopapier bei mir zu Hause beschränkt.

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